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Piraten – Wo schlägt ihr Herz?

Die letzten Wochen waren für mich als Pirat nicht unbedingt leicht. Flügelkämpfe, Antisemitismus Schlachten, Klüngel Vorwürfe, Sippenhaft eines ganzen KV’s etc.

Ja, es ist nicht leicht Pirat zu sein. Oftmals lese ich in Zeitungen, Twitter und Facebook entsetzt, was sich nun wieder ereignet hat. Denn ich weiß, es wird nicht lange dauern und mein Telefon wird klingeln. Das Klingeln derjenigen, die ich dazu brachte uns zu wählen und sie mich nun in Verantwortung nehmen für alles, was bei uns Piraten geschieht. Manchmal erfahre ich erst durch dieses klingeln, dass wieder etwas vorgefallen ist. Diese Augenblicke würde ich am liebsten aus meinem Leben streichen. Früher, ja da hab ich uns verteidigt, reflexartig, ohne zu Denken. Darüber bin ich mittlerweile hinweg, denn ja, wir sind ein verwegener Haufen der immer noch nicht zu seiner Mitte, seinem Konsens gefunden hat.

Ich für mich, weiß einfach nicht mehr ob wir das jemals schaffen werden. Zu unterschiedlich sind die Strömungen in unserer Partei, sie wirken gar zu oft unversöhnlich, sie zerren an unserer Partei wie an einem Wagen und wollen es in ihre Richtung bringen. Diejenigen die einfach machen, sitzen im Wagen und kommen nicht voran. Hilflos dazusitzen, zu sehen durch das Fenster wie zerstritten die Flügel eigentlich sind, ist die größte Schmach.Ich spüre selber Tag täglich, wie die eine oder andere Seite versucht mich von sich zu überzeugen. Ich schaue dem zu und bin sprachlos. Denn ich weiß schon längst wohin ich gehöre.

Ich gehöre zu dem Teil, dem es nicht um Karriere geht, dem Teil, der die ideale der Partei vertritt. Menschenrechte, freie Netze, menschenwürdige Lebensbedingungen, Inklusion und Freiheit des einzelnen.

Doch wo ist das innerhalb der Partei? Ist das links? Mitte? Oben, unten? Denn alle Seiten beanspruchen das für sich. Ich bekomme Intrigen mit, ich bekomme Klüngeln mit, ich bekomme Kriege mit. Verachtung und Hochmut. All das bekomme ich mit, ungewollt, werde aber ein Teil davon weil ich es mitbekomme und verzweifele manchmal an all dem und frage mich des öfteren: Warum bist du eigentlich noch dabei? Weil ich, wie viele auch, noch Hoffnung habe.

Sie gibt mir die Kraft, weiter Pirat zu sein. Es sind die Stillen Piraten die ich bewundere, von denen ich diese Kraft ziehe. Jene die einfach machen, uns am laufen halten und unbeirrt ihren Weg gehen. Es sind weder die im BuVo, noch die anderen „Schreihälse“ die immer und immer wieder zu hören sind, auch wenn es nichts zu sagen gibt. Diejenigen die sich im Mumble aufregen, stundenlang, diskutieren und alles kaputtreden, aber doch nichts für die Partei leisten. Weil sie keine Verantwortung übernehmen wollen. Diejenigen, die auf Twitter alles kaputtreden, alles ins negative ziehen, statt konstruktiv mitzuarbeiten um es besser zu machen.

Ja ich bin es satt diesen Menschen Platz einzuräumen, ihnen zuzuhören. Sie sind Trolle, die  uns immer mehr schwächen, uns die Kraft rauben und uns krank machen. Ich frage mich oft was diese eigentlich bei uns suchen, ich habe da keine Antwort darauf. Aber sie können nur deswegen so agieren, weil wir den Zusammenhalt verloren haben. So können sie uns beeinflussen und ihre Gedanken in uns einpflanzen, wie ein Samen, der, wenn er aufgeht, wie ein Parasit unser Lebenssaft aufsaugt.

Ich hoffe, es wird sich etwas ändern, ich hoffe wir finden alle wieder zusammen. So viele wirklich tolle Menschen in unserer Partei, die ihr Herzblut für uns einsetzen, haben das alles nicht verdient. Es sind die, die ich bewundere, die, denen ich danken will, das sie da sind. Sie sind unser Herz, sie sind unsere Mitte.

3 Comments

  1. Danke Ali.
    Du hast es genau auf den Punkt gebracht. So soll die Piratenpartei sein.
    Ich gestehe, manchmal selbst, bei hitzigen Themen, schärfer zu reagieren als es angemessen wäre. Dafür muss ich mich auch entschuldigen. Ich bin erst kurz dabei und habe noch nicht ganz den Überblick – mit dieser Ansage aber kann ich den Kern erkennen, der auch mich bewogen hat hier mitzumachen.
    Du sprichst mir und vielen anderen aus dem Herzen.

    Timur, Hessen , Frankfurt a.M.

  2. Ihr habt mehrere Probleme. Aber die sind nicht unbedingt hausgemacht.
    1. Streitereien:
    Ihr kriegt die Trolle nicht eliminiert. Und die Pressemeute, auf Skandal getrimmt, freut sich natürlich, wenn sie einen Piratentroll als „DEN“ Piraten hinstellen kann, der für alle anderen, unverantwortlichen Piraten steht. Das ist aber weniger euer Problem (Trolle kosten im Grunde genommen doch nur eure Nerven, nicht die der Wähler) sondern ein Presseproblem, die „don’t feed the Troll“ nicht wirklich verstanden haben.

    2. Persönlichkeiten
    Ihr habt ein paar echte Probleme mit Persönlichkeiten. Dieser Beamte in irgendeinem Ministerium, der bei euch den Geschäftsführer macht – den halte ich persönlich für ein U-Boot, das euch nachhaltig zerstören soll. Und soweit auch Mission Accomplished.
    Auch wenn du ihn magst: Johannes Ponader *ist* ein weiteres Problem. Ihr braucht Wähler aus allen Schichten, aber Ponader verschreckt die meisten nur. Und in Talkshows wird er als der „wunderliche Pirat“ eingeladen, was euch weiter schadet. Ich könnt jetzt auch nicht sagen, wofür er steht. Julia Schramm – brauche ich nichts weiter zu zu sagen, oder? Das sind drei die mir auf die Schnelle einfallen und die euch alle drei dicke Angriffspunkte beschert haben, die die Partei spalten, weil sie nicht einigen können oder wollen und die eure Flanken offen lassen. Solange ihr die Leute nicht los seid, wird das leider nix mit den Piraten.

    3. Transparenz – hier haben die meisten das Problem mit, aber das wird leider zu eurem Problem gemacht, obwohl es das nicht ist. Glaubt denn irgendwer, der mal drüber nachdenkt, dass bei den anderen Parteien nicht gestritten wird wie die Kesselflicker? Ich erinnere nur an die gezielte Gerüchteverbreitung, dass Bettina Wulff einen „anrüchigen“ Beruf hatte. Das geht da ganz genauso ab wie bei euch, nur: Die haltens besser unterm Deckel. Die wissen genau, wie der PR-Hase läuft und wer aus den Reihen tanzt, wird entweder schnell zurückgezogen oder hat keine Chance, was zu werden.
    Mir persönlich ist euer öffentliches Gezanke da lieber. Da weiß man wenigstens, dass da engagierte Köppe dran sind, die sich Gedanken machen. Das Gezanke kann ja auch durchaus in was vernünftiges münden. Muss es nicht (bei einigen eurer Positionspunkten hab ich gedacht, mich tritt ein Pferd) aber die Streitereien, so sie denn vernünftig laufen, sind fruchtbar. 😉

    4. Erreichbarkeit:
    Dickstes Plus von allen. Ihr habts Piratenmumble, ihr seid für die Leute greifbar (ich wär ja öfter drin, wenn ich mich denn mal trauen würde *g*) und man kann sich echt gepflegt unterhalten und Meinungen austauschen. Das macht SPASS. 😉
    Aber: Das verstehen viele nicht. Und hier wird genau das zum Problem. Die Erreichbarkeit wird (meist wiederum von der Hüpferpresse) missverstanden als Anbiederung. Wobei ich DEM Haufen Journaille Absicht unterstelle. Und die anderen Medien springen auf den Zug auf.

    Das Hauptproblem aber ist, dass ihr eine völlig neue Politikkultur ausgerechnet nach Deutschland gebracht hab. Und was das angeht, sind die Wege in DE eingefahren seit der Weimarer Republik. Da war selbst nach dem Krieg kein wirklicher Neubeginn. Und Deutsche und Veränderungen – das geht nicht gut zusammen.

  3. Das ist sehr schön geschrieben und bringt auf den Punkt wie ich mich in letzter Zeit auch fühle! Danke sehr. Es ist immer wieder schön zu wissen, daß man mit seinen Gedanken und Gefühlen nicht alleine ist!

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