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Meine Seele brennt

Eigentlich wollte ich nicht Bloggen, aber mittlerweile kocht es in mir. Vor Trauer, vor Wut. Ich bin in die Piratenpartei eingetreten, weil es für mich damals die einzige Netzpartei war. Aber nicht nur das, sie zeigte mir, dass Vielfalt gelebt werden kann, denn diese Partei war vielfältig! Ich kann mich noch genau an meinen ersten BPT erinnern. Es war wie eine Offenbarung. Ich sah Menschen in allen Farben, in allen Ausrichtungen, es war egal wie du bist, wir waren Piraten. Und nun? 

Zunächst unmerklich hat sich etwas in die Partei geschlichen, sich festgesetzt, wie ein böser Schatten. Es brachte Machtspiele, Intrigen und blanken Hass mit sich. Es fing an zu spalten, zu Teilen, zu unterscheiden.

Es brach auf, was unser Kern ist. Die Vielfalt. Die Basis. Uns. Es ging um Macht. Es ging um Persönliches. Es ging um Ideologien – und es hat es geschafft, uns von uns selbst zu entfernen, uns gegenseitig zu misstrauen. Plötzlich fühlte sich jeder in seinen Grundwerten vom anderen angegriffen, obwohl diese nie zur Debatte standen. Im Gegenteil, man hat das bewusst benutzt, um aufzuwiegeln. Es wurden gezielt ‚Feindbilder‘ gesucht und diese in Personen projiziert. Die Masche war perfide, aber wirkungsvoll. Alles schleichend, alles aus dem Hintergrund. Man schaffte sich seine eigenen Legenden. Die Legende von der ‚Anti-Antifa‘ in der Piratenpartei.

 
Ja, ihr kennt die Geschichte schon zur Genüge. Hänge parteifremde Fahnen auf und warte, was passiert. Ein perfektes Mittel, um sich als Märtyrer der gerechten Sache hinzustellen. Denn wer gegen “die Antifa” ist, muss ein Rechter sein. Eine perfekte Waffe, um Menschen zu diskreditieren, fertig zu machen und letztendlich zu vernichten. Denn man selber ist ja Antifa, man ist ja „der Gute“. Bullshit. Jeder Demokrat ist Antifaschist. Alleine mir zu sagen, ich wäre rechts, zeigt doch, das dies nicht immer funktionieren kann. Ich bin Türke. Schwul. Atheist. Ich bin das, was Rechte hassen, sie würden Menschen wie mich “loswerden” wollen. Endgültig.

Trotzdem fielen viele Piraten auf dieses Spiel rein, denn wer von ihnen würde denn von sich sagen lassen wollen, er wäre gegen Antifaschisten? 

Aber zu Legenden braucht man auch immer Märtyrer, die armen Geschundenen, die Opfer wurden, an denen sich das abartige rechte Volk vergehen will. Dazu brauchte man nur einen Grund – und was nimmt man da am besten? Willkommen bei “Bomber Harris”. Eine feige Aktion meiner Ansicht nach, denn wer sich für Menschenrechte einsetzen will, macht das mit seinem Gesicht und steht notfalls auch mit seinem Leben dahinter, für die gerechte Sache. Aber darum ging es nicht. Es ging um Märtyrer. Denn danach konnte man sich immer auf diese Person berufen: “Seht alle her, wir sind die Guten, denn die bösen Nazis bedrohen nun Person X. Wenn ihr gegen uns seid, seid ihr für die Nazis!” Perfekt. Das dabei die Basis, der BuVo, die Presse, Menschen angelogen worden sind, who cares?

Kritiker wurden verfolgt, werden verfolgt. Sie werden diffamiert, sie werden gemobbt, es werden Kompromate gesammelt. Alles Methoden, die auch gerne Faschisten benutzen. Wenn es um das Ziel geht, sind die Mittel moralisch unbedenklich. Ich sage es nochmal: Manche sind so ultralinks, das sie rechts mit ihrer Schulter wieder die Faschisten in der Methodik berühren. 

Man schmückt sich zwar immer wieder mit Menschenrechten, tritt diese innerparteilich aber immer wieder mit Stiefeln nieder.

Unsere Partei ist nicht nur gespalten wegen diesen Dingen, nein, sie misstraut sich selbst, spaltet, gräbt Gräben aus und schaltet, genaugenommen, unsere Partei damit aus.

Die Welt um uns herum wird in der Zwischenzeit zur Hölle. Es geht nicht mehr um die NSA. TTIP. Es geht nur noch um Macht. Ich bin Idealist. Ich mache Dinge aus Überzeugung, notfalls würde ich für die Sache sogar riskieren, dass ich getötet werde. Aber ich mach‘ es, weil ich oftmals die Stimme bin für diejenigen, die keine haben. Deswegen trat ich bei den Piraten ein. Keine andere Partei setzt sich so für Bürger und Menschenrechte ein wie wir. Universal und nicht monothematisch. Wir wollen die Freiheit des Einzelnen. Wir wollen, dass jede Stimme gleich viel wert ist. Wir wollen Selbstbestimmung, wir wollen das alle Menschen ob on- oder offline mit Würde behandelt werden. Wir wollen, dass die Bürger wirklich der Staat sind, zum Wohle aller.

Und deswegen KOTZT MICH DAS DERMAßEN AN, DASS UNSERE PARTEI SO IN DEN DRECK GEZOGEN WIRD für die eigenen Interessen, Ideologien, Peergroups, hinweg über alle Köpfe, einfach so.

Sie wollen es weder einsehen, noch begreifen, was sie anrichten. Fundamentalisten sind von ihrer Sache so überzeugt, das sie nichts, aber auch gar nichts von ihrem Weg abringen würde. Es wird gehetzt, es wird gewartet, das ein Wort zweideutig sein könnte und sofort geht man in den Angriff über. Man kann versuchen mit ihnen zu reden, aber diese Gespräche laufen nie auf Augenhöhe, denn man ist per se der Böse.

Ich sehe Piraten, die aus der Partei austreten. Sie sehen das gleiche Desaster wie ich. Sie wehren sich aber nicht, ihnen fehlt mittlerweile der Glaube und die Kraft dazu. Es sind oftmals die Aktiven.

Unser Rückrat blutet aus, allerorten fehlen Aktive, die helfen und sich für unsere Partei einsetzen. Eine Partei ohne Aktive ist wie ein Wasserrad ohne Wasser. 

Viele nicht-Piraten fragen mich immer wieder, warum ich das mitmache, warum ich mir das antue. Das habe ich mich auch oft gefragt. Zum ersten mal in der Zeit, als ich als Beisitzer im NRW LaVo saß und in der Türkei die Gezi Proteste losgingen. In dieser Zeit hatte ich offen Probleme mit meinen LaVo-Kollegen, stand unter Druck. Aber es wäre nichts gewesen, was wir nicht hätten lösen können. Doch dadurch, was in der Türkei geschah – als ich und meine Familie plötzlich direkt betroffen waren – erst durch Verletzungen meiner Mutter und dann durch ihren späteren Tod, war ich am Ende. Ich wollte mich zurückziehen, ich konnte keine LaVo Arbeit mehr machen. Ich hatte nicht mal Zeit, die Trauer um meine Mutter zu verarbeiten. Ich konnte nicht mal bei ihrer Beerdigung dabei sein. Schon da gingen die Bashings gegen mich los, verfolgten mich auf allen Plattformen. Ich war am Ende, habe mein Amt niedergelegt, wollte raus aus der Partei. Nicht weil die Partei etwas dafür konnte, sondern weil ich persönlich nicht mehr konnte.

Ich bin nicht ausgetreten. Dieser Schritt war für mich letztendlich doch nicht zu nehmen. Ich brauchte nur Zeit für mich, um dann wieder Kraft zu tanken für meine Parteitätigkeiten – wie die der Queeraten.

Doch in den letzten Monaten, ergriff mich ein Gefühl, dass die Partei zerbricht. An all‘ ihren Gates, die im Wochentakt kamen und wie eine Wand auf uns ein fielen. Aber diese Gates kamen nicht von außen, sie kamen von innen. Das Ergebnis seht ihr. Ja, man könnte meinen, das Beste wäre hinzuschmeißen und zu gehen. Nicht für mich, ich bleibe und wenn ich der letzte bin, der die Tür zumacht. Ich will, dass wir wieder Politik machen, auf die Straßen gehen, laut sind. Wir sind so verschieden, wir kommen aus so vielen Ecken, dennoch stehen wir immer wieder zusammen für unsere Sache. Das wurde uns genommen aber da will ich wieder hin. Wir müssen lernen, wieder zu vertrauen und denjenigen, die dies nicht wollen, unmissverständlich klar machen, dass dies bei uns nicht erwünscht ist. Wir wollen kein Mobbing. Wir wollen kein Bashing, keine Hetze, Verleumdung, Feindbilder innerhalb der Partei, wir wollen keine parteifremde Ideologien. Wir wollen diese nicht übergestülpt bekommen. Parteiinterne Demokratie heißt für seine Sache Mehrheiten finden, diese abstimmen lassen und schauen, ob man es geschafft hat. Menschen durch die Kultur der Angst in seine Richtung bringen zu wollen, ist verabscheuungswürdig und nur in Diktaturen zu finden.

Das wollen wir nicht. 

Was wir wollen, steht in unserem Grundsatzprogramm. 

Ich werde keinen meiner Parteikollegen, die gegen mich opponieren die Genugtuung geben und die Partei verlassen. Nein, im Gegenteil, ich bewerbe mich für den BuVo. Ich will helfen die Heilung in der Partei voranzubringen und gegen die, die die Partei offensichtlich bekämpfen, ein Gegengewicht sein. Entschieden wird auf dem aBPT, nicht auf Twitter.

Und ich stehe hinter diesen Hashtag: #reclaimyournetzpartei 

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Antifa – Missbrauch einer guten Idee

Die größte Gefahr für uns Piraten sind diejenigen, die „die“ Antifa für ihre eigene Menschenhatz missbrauchen und damit die Partei spalten. Die Ziele „der“ Antifa sind ehrenhaft und unterstützenswert, einiger ihrer Mitglieder nicht. Das sage ich ganz offen, mit dem Wissen, das wohl die meisten sich denken können, um welche Ecke es sich da handelt. Alleine dies offen anzusprechen, ist für sie wohl ein Grund mich auch ins Visier zu nehmen, wie viele andere vor mir auch schon. Ich sage es ohne schön zu reden: In dieser Partei wagt es kaum einer etwas zu sagen zu diesem Thema, denn das was dann losgeht, kann man an vielen Beispielen sehen. Ich bin stark, ich lasse mich nicht einschüchtern, aber sehr sehr viele andere, die einfach Angst haben.

Angst zu haben, die Meinung frei kundzutun in der eigenen Partei, ist das Gift, das stetig wirkt und uns zerstört. Es zerstört Vertrauen. Ja, ich als schwuler Türke habe ureigenste Interessen GEGEN Faschos. Aber die Ideologie „der“ Antifa, muss ich mir nicht zu eigen machen. Nicht ihrer Ziele willen, sondern wegen einigen ihrer Anhänger. Deren Überzeugungen werde ich niemals mit meinen eigenen Werten in Einklang bringen.

Denn: (Einige) Antifaschisten, die die Methoden von Faschisten benutzen um gegen Faschisten anzugehen, werden zum selbigen. Zeit zum Hinterfragen dieser Methodik. Es muss andere Wege geben.

Man kann Faschos bekämpfen in dem man Menschen immun gegen deren Gedankengut macht. Aber nicht, in dem man selber Menschen verachtet.

Es gibt tolle Menschen die ich bei „der“ Antifa kenne, ich weiß das jeder Spinner sich Antifa nennen kann. Versteht mich nicht falsch, aber hier geht es um einen bestimmten Kreis. 

Jeder Demokrat ist gegen Faschisten. Dazu muss man nicht sagen das man in einer Antifa Gruppe ist. Menschen abzusprechen, das sie gegen Nazis und Faschos sind, weil sie sich nicht einer Antifa Gruppe angehört, zeigt das es hier um Ideologien geht, nicht nur um das Ziel. Damit wird jeder diskreditiert, der sich bei Demos gegen Nazis aufstellt. 

Die Flagge auf dem BPT war nur ein Symbol für etwas, was im Hintergrund zur Zeit abgeht und das ist wirklich nicht mehr zu tolerieren.

Ausführlicher hat es ein Pirat (Thomas) in seinem Blog verdeutlicht, was ich meine: http://thomas-weijers.de/12833.html?entryId=5ddfc48a8970ef48be6ebf6f5196e518#blogstart

 

Nachtrag: Wie vorhersagbar, werde ich nun als Rechter diffamiert. Klarmachen zum Mobben? Scheint so.

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Niederlage und Chance in einem!

Ich bin Pirat weil es richtig ist, weil ich davon überzeugt bin, weil es uns nicht um Macht geht, sondern um den Menschen. Ich werde diesen Weg weitergehen, weil es für mich der einzige sinnvolle ist, das gebietet mir schon mein Gewissen.

Wenn so viele Menschen sich für Überwachung, Homophobie, Ausländerhass und Polemik entscheiden, ist es meine Pflicht dagegen zu halten.

Aber wir müssen auch auf uns selber schauen, analysieren und entsprechend reformieren. Wir werden nicht darum kommen.

Niederlagen sind auch immer eine Chance, wenn man sie nutzt! Auf gehts!

Wie ich mir das vorstelle? Das werde ich die Tage Bloggen.

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Russland bestraft “Homo-Propaganda”

Vor eini­ger Zeit trat in Russland ein Gesetz gegen “Propaganda nicht-traditioneller sexu­el­ler Beziehungen” in Kraft.

Seitdem dro­hen Geld- und Haftstrafen sowie für Ausländer die Ausweisung aus der Russischen Föderation, wenn sie Informationen zur Homosexualität wei­ter­ge­ben, an Demonstrationen teil­neh­men oder Homosexualität unter­stüt­zen. Continue Reading

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Leider nicht veröffentlichte Pressemeldung zu Russland/Homophobie

Diese Pressemeldung von gestern wäre keine neue News mehr und keiner PM wert. Das ärgert mich als Bundesbeauftragten für LGBT/Queer Themen. Also veröffentliche ich es im Blog, um euch die Möglichkeit zu geben es zu lesen
 
Pressemitteilung:  
 
Thema: Russland verbietet homosexuelle Propaganda per Gesetz
 
Die Piratenpartei Deutschland erklärt ihre Solidarität mit Homosexuellen in Russland
 
Die Piratenpartei Deutschland verfolgt mit Entsetzen die  Gesetzgebung, welche die russische Regierung derzeit gegen Teile ihrer eigenen Bevölkerung richtet.
 
Dazu erklärt Ali Utlu Bundesthemenbeauftragter Lesbian, Gay, Bisexual und Trans (LGBTIQ) [1] der Piratenpartei Deutschland:
 
„Dieses inakzeptable Gesetz ist diskriminierend und menschenverachtend und muss revidiert werden.Hier findet eine klare Strategie der Ausgrenzung und Verbannung aus dem öffentlichen Bewusstsein statt, die unbedingt verhindert werden muss, um die Menschenrechte der Betroffenen zu schützen.“
  
„Mit der Verabschiedung des Gesetzes stellt sich Russland gegen die von der Duma ratifizierte europäische Menschenrechtskonvention“ fügt Carolin Mahn-Gauseweg, Koordinatorin der AG Außen- und Sicherheitspolitik und Bundestagskandidatin auf der Landesliste Sachsen, hinzu. 
 
Die deutsche Bundesregierung hat Russland inzwischen aufgefordert, das Gesetz zurückzunehmen. Zudem wurde auf Anweisung des Außenministers die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Russland verschärft. [2]
 
Die Piratenpartei Deutschland fordert einen gesetzlichen Schutz des friedlichen und gleichberechtigten Zusammenlebens von Menschen jeglicher sexueller Orientierung auch in Russland.
 
 
Quellen: 
 
 
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Pressemitteilung: 
Ali Utlu
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Ein Abschied?

Mich greifen Schwulenhasser an. Mich greifen Muslime an, weil ich ex Muslim bin. Mich greifen Religiöse an, weil ich ein offensiver Atheist bin. Mich greifen Nazis und Rechte an, weil ich Türke bin. Mich greifen immer noch Menschen an, weil ich gegen Beschneidung bin. Ich muss mich verteidigen, weil ich bei Sexismus schwarz sehe. Ich werde angegriffen, weil ich Position innerhalb der Piratenpartei beziehe. Ich werde angegriffen, weil ich gegen Antisemitismus und Ausländerhass Position beziehe.

Ich lebe jeden Tag mit Hass, der sogar schon in Morddrohungen mündete. Mir geht langsam die Kraft aus. Das wird mir langsam zuviel. Ich weiß nicht mal mehr wo ich innerhalb der Piratenpartei stehe. Die Versuche von mir, die Partei öffentlich erfolgreich mit ernsten Themen zu vertreten, verpufften im Streit des BuVos. Sie wurden erst Thematisiert, als es einen Aufschrei gab mit #WirSindAliCologne Man schenkte mir im Gegenteil mehr Beachtung außerhalb der Partei, als bei den „Lenkern“ innerhalb der Partei. Medien nahmen mich ernster, denn während über mich positiv berichtet wurde, lese ich jeden Tag wie sehr die gleichen Medien diejenigen zerreißen, die denken ohne sie würde die Partei zusammenbrechen. #IchLache.

So wie es aussieht, ist für mich das Experiment Politik gescheitert. Entweder war ich zu naiv, oder alleine nicht in der Lage das alles zu tragen. Alles was mir bleibt, sind Depressionen, Angst, Wut, Verzweifelung. 

Ich habe im letzten Jahr viel verloren, vor allem tut es weh, das mich viele Freunde verlassen haben, weil ich wohl zu politisch wurde oder weil sie nicht verstehen wollten, warum ich mich für unsere Partei so einsetze. Ich hatte damals den Mut alleine gefasst in diese Partei einzutreten, ich werde wohl auch wieder alleine gehen. Ich glaube nach wie vor an unsere Partei, das steht außer Frage. Aber gleichzeitig hat sie mich viel Kraft gekostet.

Ich will tief in mich schauen, ob es wichtig ist, für etwas größeres weiter zu gehen, oder für mich auszusteigen. Im Moment weiß ich es nicht, denn ich bin einfach traurig.

Auf den vorherigen Posts könnt ihr nachlesen wie ich die Partei sehe, sah. Vielleicht hilft es euch, mich zu verstehen.

Danke.

PS: Es tut mir leid das dieser Eintrag sehr kurz ist, aber mir fehlen die Worte, diesmal. Würde ich ehrlich und offen alles schreiben, was ich noch so denke, wäre der Eintrag 6 Seiten lang.

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Piratenpartei – Eine bittere Wahrheit

Viel passiert, viel Zeit vergangen, doch es bleibt wie es ist, Lagerdenken.

Dennoch, eins bleibt hängen: Es ist die Gewissheit, das wir in unseren Reihen etwas haben, das schnellstmöglich ausgeräumt werden sollte. Misstrauen. Sind wir in unserem klein klein mittlerweile so verrannt, das wir hinter jeder Tür Verrat an was auch immer befürchten? Oder gibt es tatsächlich eine „Hintertür Politik“ wie es viele vermuten? Ich sage meine offene Meinung: Beides stimmt.

Es zu verleugnen wäre mittlerweile auch Selbstbetrug. Offene Geheimnisse auszusprechen, wird aber als Nestbeschmutzung angesehen. 

Dazu erstmal mein Bild von der Piratenpartei. Für mich ist diese Partei ein Haus, mit vielen Räumen. Unsere Grundsätze bilden das Dach. Unter diesem Dach gibt es viele Räume mit den unterschiedlichsten Meinungen. Es gibt Flügel, aber auch Hausflure. Da aber liegt ein Problem: Man lebt zwar unter diesem Dach, hat aber abgeschottet in seinen Raum vergessen, das es auch die Flure gibt, bei denen man sich Treffen kann, sich austauschen kann, seinen Horizont über den eigen Raum heraus erweitern kann. Wir haben den Dialog verlernt. Wenn in einer Diskussion alle anderer Meinung sind, kann man trotzdem einen Dialog führen, solange Konsens nicht nur ein Wunsch ist. Genaugenommen sollte Konsens der einzige Weg sein, so gewinnt keiner die Meinungshoheit und alle fühlen sich gleichberechtigt und ernst genommen.

Doch die Realität sieht so aus, das wir mit uns fremdeln. Doch anstatt endlich wieder zusammenzufinden suchen wir die Schuldigen nicht in einer Selbstreflektion, sondern da, wo es ganz weit weg ist, um ja nicht in die Verlegenheit zu kommen zuzugeben: Ja, wir alle sind mitschuldig. Alle. Wahrscheinlich auch ich.

Unsere Partei wird von innen zerfressen. Wie Krebs bahnt es sich den Weg durch den Parteikörper, aber wir erkennen dies nicht mehr, wir fühlen nur das wir immer schwächer werden. 

Doch die, die gewählt wurden, um an der Spitze der Partei uns allen einen Spiegel vorzuhalten, uns zu motivieren, zu einen, sind es selber, die sich an ihre Stühle festgekettet haben und so auch nicht mehr den Dialog mit der Basis führen können. Sie sind gefangen, gefangen in ihren Spielchen, die es seit dem gibt, seit es die Zivilisation gibt. Es ist diese unsichtbare Kraft, die immer dann eintritt und den Geist korrumpiert, wenn der Faktor macht ins Spiel kommt.

Es ist ihnen nicht vorzuwerfen, sie wurden gewählt ohne das man darauf achtete, ob ideale nicht nur Worthülsen sind. Reden können blenden, das was hinter der Stirn steht, sieht nur die Person selber. Nicht sie haben versagt, wir haben es. Wir haben uns wohl blenden lassen.

Doch unsere wunderbare Partei ist mehr als das. Wir haben alles, was wir brauchen, um auf unseren Weg weiterzukommen, Hoffnung zu schöpfen. Aber dafür müssen wir erstmal wieder zueinander finden, denn als Einheit sind wir stärker, als alles andere in der Parteiengesellschaft. Wir sind jung, wir sind frisch. Wir haben fragen, wir sind nicht korrumpiert, wir sind nicht versteinert, nein, wir sind agil und fit.

Aber wir brauchen verdammt nochmal einen BuVo, der den Piraten wieder Hoffnung gibt, sie motiviert, ihnen das wieder gibt, auf das wir alle warten: Endlich wieder eine Starke Gemeinschaft zu sein, die mit geballter Energie nach vorne geht, verändert und den Bürger wieder zeigt: Ihr werdet gehört, ihr seid auch ein Teil von uns, wir werden eure Freiheit verteidigen, Bürgerrechte wahren und die Menschenrechte durchsetzen.

Ich bin traurig.

Die Piraten, die sich einsetzen, unbeirrt und mit dem Glauben an die Partei, leiden darunter. Sie bauen uns auf und bekommen mit, wie andere das getane wieder zusammenstürzen lassen. Ich bewundere sie, sie haben die Kraft alles wieder zusammenzubauen und noch weiter zu gehen. Warum seht ihr sie nicht? Warum lobt ihr sie nicht? Warum erkennt ihr nicht das sie unsere Säulen sind? Sie tragen uns alle! Andere können nicht mal ihr Amt richtig tragen und sie tragen die ganze Partei.

Es tut mir im Herzen weh. Denn ich Bewundere das, habe aber selber nicht die Möglichkeit jeden einzelnen in den Arm zu nehmen und einfach danke zu sagen. Danke das es euch noch gibt, danke das ihr uns trägt.

Ich habe alle unsere „Oberen“ kennengelernt und keiner von ihnen, KEINER, hat sich jemals diese Gedanken gemacht. Ich kann euch nur eins sagen: Ich schäme mich für euch. Und das ist noch das freundlichste was ich sagen kann.

Ich werde nicht sagen das ihr eurer Verantwortung endlich gerecht werden sollt. Denn ihr habt versagt. Versagt, eurer Amt auszufüllen, so, wie es gedacht ist. Nach außen unser Dach befestigen und nach innen zu Arbeiten um uns zu lenken. Nicht in die Richtung die ihr gerne hättet, sondern in die, die die Basis euch in Mehrheitsbeschlüssen vorlegt. 

Ich habe mich schon oft gefragt: Warum mache ich das alles mit. Ich muss sagen, mir fallen langsam keine Selbstlügen mehr ein, der Selbstbetrug hat seine Grenzen.

Wir alle haben unsere Verantwortung, unser Gewissen, unsere Grundsätze. Doch wir sind oftmals Blind. Wir müssen endlich lernen Misstände nicht nur anzusprechen, sonder endlich auch mal zu lösen. Jeder einzelne kann da mithelfen. Das warten dass es jemand anderes macht, muss endlich dem Aktionismus weichen. Wir sind Macher, keine Deligierer und Verantwortungsabweiser.

Ich kann Dinge aus meiner Perspektive ansprechen, ich kann versuchen zu Motivieren, Kraft geben. Aber eins kann ich nicht: Heilen. Das können nur wir alle.

Lasst uns bitte wieder zueinander finden. Lasst uns eine Starke Gemeinschaft sein, aus der wir alle Kraft Tanken, für die Aufgaben die anstehen. Jeder Einzelne von euch ist wertvoll und möget ihr noch so denken das ihr nur ein kleines Rädchen seid, so macht euch bewusst, das das ganze auch diese kleinen Rädchen braucht um voran zu kommen.

Wir sind Piraten. Wir sind anders. Wir können das!

Ich bitte euch, teilt mir eure Gedanken mit. Was sagt ihr, wie ist eure Geschichte? Lasst uns anfangen zu reden. Für uns. Danke.

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Homosexualität

 Wenn jemand weiß was Liebe, Glück und Geborgenheit ist, wird niemals diese in Frage stellen können, egal wer sich liebt.
Er wird Respekt davor haben, dass Menschen Ihr Leben miteinander teilen wollen und das Glück erfahren, das jeder erfahren will.

Liebe bleibt immer Liebe, ob bei Heteros, Schwulen oder Lesben! Unnatürlich ist der, der das nicht respektiert.

Jeder der so eine Liebe als abartig bezeichnet, hat wohl selber nie wahre Liebe erfahren, wird sie niemals erfahren können.

Aus Hass kann sich keine Liebe entwickeln, es tötet jeden Geist ab.

Das tut mir Leid für sie. 

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Piratenpartei – Meine Geschichte

Früher, da waren die Piraten etwas wie die Exoten für mich am Partei Himmel. Doch diese Exoten Partei hatte Themen, die mich in ihren Bann zogen. Sie stehen für alles was mir wichtig ist. Also interessierte ich mich näher was das für ein Haufen ist. Ich fing an Tweets dieser Piraten zu lesen, die Facebook Seiten zu besuchen und ihre Foren zu lesen. Da war etwas, was ich kannte, ich fühlte, dass die Piraten sich kaum von mir unterschieden. Im Gegenteil, sie klangen wie die Menschen mit denen ich mich umgab. Ich spürte, dass da meine politische Heimat sich aufgetan hat. Genauso, wie ich vernahm dass das System diese Menschen versucht hat ins lächerliche zu ziehen. Das tat mir im Grunde weh, denn sie stehen für die richtigen Dinge, zu mindestens aus meinem Empfinden heraus. Doch eigentlich war ich Politik geschädigt. Von Parteien, die sich nicht um uns scheren, Parteien, denen es nur um Machterhalt und Gesichter ging. Doch die Piraten waren anders, sie wollten das alles nicht. 

Nach langen überlegen suchte ich raus wo sich denn diese Piraten in Köln treffen und wollte einfach mal so einen Stammtisch besuchen. Auf dem Weg wurde mir ein wenig mulmig, ich wusste nicht was mich erwartet. Als ich vor der Location stand, war es nicht besser. Es standen einige Personen draußen und Rauchten, ich fragte sie wo sich die Piraten treffen, man sagte mir in einem Nebenraum. Dieser war auch schnell gefunden und der Stammtisch war gut besucht. Verlegen stellte ich mich in die Ecke und wollte einfach erst mal zuhören. Ich merkte wie man mich musterte, oops, sie wissen dass ich neu bin. Nach einer Weile kam eine Pause und die ersten Piraten kamen auf mich zu und ich unterhielt mich mit ihnen. Es war offen und warmherzig. Das war alles vor Neumünster. 

 Ich sprach mit einem Piraten draußen beim Rauchen, wo es um diesen BPT ging. Tom gab sich die Mühe mir alles zu erklären und ich dachte mir, wow, das wärs doch. Beitreten und gleich auf einen Bundesparteitag. Leider waren meine finanziellen Mittel eher mau und ich begrub diese Idee daran teilzunehmen. Die Tage vergingen und der nächste Stammtisch stand an, dort fasste ich dann auch den Beschluss der Partei beizutreten. Ich lernte immer mehr Piraten kennen und langsam kam ich in einen Sog rein, der sich verselbständigte. In Twitter trat ich plötzlich offen als Pirat auf und twitterte viel Politisches. Das kam wohl so gut an, das plötzlich meine Follower Zahl in die Höhe schnellte. Ich war überrascht, ich fühlte mich endlich angekommen, akzeptiert und ernst genommen. Da war eine Energie, ein Zusammenhalt, etwas was ich lange suchte und nun endlich erfahre. 

Ich war gefangen, im positiven und verbrachte immer mehr Zeit mit den Piraten, online und offline. Wie ein Rädchen in einer Maschine, klein aber dennoch wichtig um sie am Laufen zu halten. Bei den Stammtischen hatte ich mittlerweile so viel Selbstvertrauen das ich mich beteiligte, an den Themen und am Leben innerhalb dieser. Eine Woche vor Neumünster wollte ich alles daran setzen, dort teilnehmen zu können. Doch wie so oft scheiterte dies am Geld. Ich las dass bei Tom (@megarosaelefant) das ein Platz im Wagen und im Hotel frei wurde. Ich fragte ihn an ob ich denn mitkommen kann, er sagte zu falls er keinen anderen findet. So kam es auch und so kam ich zum ersten BPT. Als ich mit ihnen die Halle betrat und all die Piraten sah, die Energie fühlte, bekam ich Gänsehaut. Ich dürfte zwar noch nicht teilnehmen, weil ich keine Mitgliedsnummer hatte, aber es war ein erhebendes Gefühl. Ich traf ganz viele Piraten die ich bis dahin nur Online kannte und es war als würden wir uns alle schon immer kennen. Der Sog dieser Partei hatte mich vollends gefangen.

 Mein bisheriger Freundeskreis war von all dem Aktionismus eher befremdet, denn sie konnten mit dieser Partei rein gar nichts anfangen. Es entgegneten mir alle Vorurteile die es gab. Ich merkte plötzlich, dass ich anfing unsere Partei zu verteidigen, zu erklären, es zu mindestens zu versuchen. Ich scheiterte. Denn eine negative Presse folgte der anderen. Ein Shitstorm nach den anderen zog über das Land und ich lernte über die Zeit auch diese Dinge zu akzeptieren und zu überstehen. Was meine Erklärungsversuche nicht einfacher machte. Mein Leben fokussierte immer mehr auf die Piraten. Plötzlich erkannte ich, dass diese Partei mein Leben vereinnahmt hat und ich war mit Herzblut dabei. Jede Kritik die ich an der Partei mitbekam, nahm ich plötzlich persönlich, ganz so als würde man mich selbst angreifen. Ich merkte, wie immer mehr Freunde sich plötzlich zurückzogen und alles was ich über die Piraten z.B. auf Facebook postete negativ kommentierten. Sie griffen die Partei an und vor allem auch mich, persönlich. denn die Einträge wurden immer persönlicher, man setzte meine Person gleich mit der Partei, es gab anscheinend kein Unterschied mehr.  Das tat mir weh. Denn ich war eigentlich der alte, so wie man mich kannte, mit dem einzigen Unterschied das ich nun Pirat war.

So verzog ich mich immer mehr zu anderen Piraten. Im Mumble verbrachte ich Stunden, Nächte, ganze Tage. Ich kommentierte alles auf Twitter, machte Shitstorms mit und kam in einen Strudel, der meinen Tagesablauf plötzlich bestimmte. Resistence is futile. Da wir Piraten eine mitmach Partei sind, fing ich an aktiv mitzuarbeiten. Erst bei den Queeraten, dann auch im Mumble wo ich dank Kyra anfing Runden zu moderieren. Das war etwas was mir Spaß machte. Dann kam der Tag als die Beschneidungsdebatte in den Medien aufkam. Es war für mich ein sehr wichtiges Thema, denn ich fühlte mich von Anfang an als Opfer. Tage, Wochen vergingen und ich sah in den Medien niemanden, der eine andere Meinung als die der Medien vertrat. Ich fasste den Entschluss als Menschenrechtler und Pirat in die Offensive zu gehen und das schlug ein wie eine Bombe. Plötzlich war ich überall in den Medien vertreten, ich war öffentlich. Ich hatte ein Thema aufgegriffen was bewegte, mit dem es aber nichts zu gewinnen gab. Im Gegenteil, es gipfelte in Morddrohungen gegen mich. 

Da geschah etwas Magisches für mich, eine ganze Partei stellte sich hinter mich, solidarisierte sich und gab das auf allen Kanälen kund. Ich bekam hunderte Mails und Nachrichten auf Facebook. Es waren Betroffene und Piraten die mir Mut zu sprachen, die mir helfen wollten und einfach für mich da waren. Medien meldeten sich jeden Tag bei mir, ich gab ein Interview nach dem anderem und wurde plötzlich öffentlich von den bis dahin eher „bösen“ Medien ernst genommen. Einerseits war das fast zu viel, denn ich hatte kaum noch Zeit für mich, andererseits machte es mich stolz unsere Partei in Augenhöhe und ernst genommen zu vertreten. Damit einher kamen aber auch Piraten, die wohl neidisch oder missmutig mir gegenüberstanden und auf mich einhackten. Ich wollte nur kariere machen war noch das netteste was mir vorgeworfen wurde. In meinem eigenen KV, von dem ich mich immer mehr entfremdete, machte sich unsere Schatzmeisterin öffentlich lustig über die Morddrohungen. Ich wiederholte immer wieder, dass mir eine „Karriere“ gar nicht möglich wäre, denn ich bin nicht einmal Passdeutscher. Auch wenn ich bei diesem Thema hunderte Mails und Nachrichten bekam die mir Mut gaben, mir Kraft gaben, zerbrach etwas in mir. 

Ich merkte für mich, dass es auch Teile in dieser Partei gibt, die destruktiv sind. Ich sah immer mehr Streit innerhalb der Partei. Da wurden Piraten gemobbt, niedergemacht, es bildeten sich Flügen und ich begriff langsam, das ich eine rosa Brille auf hatte. Dann begann der zweite Sog, der negative. Ich verbrachte ganze Tage im Mumble und vernahm eigentlich nur noch Kritik an der Partei. Ich las online Medien und wir wurden auseinander gepflückt. Diesmal war ich aber in einer anderen Situation, ich merkte das vieles was ich da hörte und las, zum Teil stimmte. Als dann noch unser Bundesvorstand anfing sich über die Medien zu bashen war ein Punkt erreicht, wo mir erste Zweifel kamen ob ich noch den richtigen Heimathafen habe. Die Stimmung kippte immer mehr ins Negative, ich sah immer öfter Dinge die einfach falsch liefen.  Ich sah immer öfter Trolle, die nichts anderes machten als ihr Gift zu versprühen. Es tat eigentlich weh, dies alles zu sehen und weder es zu verstehen warum, noch an der Situation etwas verändern zu können. Auch meine eigenen Tweets veränderten sich. Sie wurden lauter und aggressiver. Die Wut und die Hilflosigkeit bahnten sich ihren Weg ins Netz.

Viele andere Piraten, die mir wirklich wichtig sind, zogen sich zurück. Das tat ich dann auch. Ich fühlte mich ausgebrannt, kraftlos. Ich wollte nur noch weg von alle dem. Die Nächte im Mumble bekräftigten dies auch noch weiter, denn ich ging immer öfter mit einem schlechten Gefühl ins Bett, mit negativen Gedanken. Dies konnte aber alles nur geschehen, weil diese Partei mich in ihren Bann gezogen hatte, ein wichtiger Teil von mir wurde. Ich hatte innerhalb der Partei so etwas wie eine Ersatz Familie gefunden, sie war Teil meines Lebens. Sobald ich online war, war sie da. Unausweichlich. 

Als ich dies öffentlich machte, das ich mich zurückziehen will, evtl. sogar die Partei verlassen, waren plötzlich die Stimmen wieder da, die in dem ganzen negativen untergegangen waren. Man sagte mir von vielen Seiten dass ich ihnen wichtig wäre, dass sie nicht wollen das ich gehe, denn dann würde ein Teil von ihnen mitgehen. Mir wurde gesagt, ich hätte eine Verantwortung, weil viele Piraten zu mir schauen würden, meine Meinung ihnen sehr wichtig ist. Ich war erst mal baff. Das war ein wenig viel für mich, denn plötzlich hatte ich so etwas gefühlt wie Verantwortung. Das ehrte mich, war aber auch gleichzeitig etwas, mit dem ich erst mal klar kommen musste.

Ich wäre Meinungsmacher, ich hätte Einfluss in die Partei mit dem was ich sage. Ich war irritiert, denn ich hatte das niemals so empfunden. Dann kam Bochum.

Bochum, ja, der Parteitag von dem ich kaum etwas mitbekam, da ich egal wo ich hin lief, immer Piraten um mich hatte die mich kennen lernen wollten aus dem ganzen Bundesgebiet. Als man auch noch anfing zu Twittern wo ich bin, was ich mache wurde mir das fast unheimlich. Doch es geschah auch etwas Wunderbares: Die Energie, die bis dahin verloren geglaubt war, erfüllte mich wieder. Wir hatten so viele konstruktive Gespräche, positives Feedback und eine Wertschätzung für das was ich machte, was andere aktiv taten, das ich eine gewisse Euphorie verspürte. ich fühlte etwas, das ich seit langem nicht mehr fühlte: Hoffnung.

Diese war mir verloren gegangen. Ich war in so einer negativen Schiene gefangen, das ich selber nicht mehr sah was wir Piraten ohne die negativen Stimmen alles so schaffen. Wie viel Herzblut weiterhin in diese Partei fließt, wie viele Schultern eigentlich mit viel Kraft diese Partei stützen. Ich merkte, dass ich von Trollen so vergiftet wurde, das ich wie umnebelt das alles nicht mehr sah. Im Gegenteil, sie schafften es fast, aus mir das zu machen was sie selber sind. Diese Hoffnung und wärme wieder zu bekommen, öffnete mir die Augen. 

Heute grenze ich mich von den negativen Kräften ab, die mir die Kraft raubten an diese Partei weiter zu Glauben. Ich wende mich an die, die uns positiv weiterbringen wollen und nicht nur reden, sondern es auch aktiv tun.

Ich bin wieder da, mit Energie, Hoffnung und Tatendrang und das alles nur, weil es so viele starke Piraten gibt,  die einen nicht fallen lassen und für einen da sind wenn man sie braucht. Sie waren immer da und werden es auch sein, wenn die Trolle endlich merken dass sie nicht zu uns gehören. Diesen Stachel werden wir uns auch noch ziehen.

Danke an all die Piraten, die mich begleitet haben und mir Kraft gaben, für mich, für uns. Ohne euch wäre diese Partei nicht die, die wir lieben und schätzen.

 

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Appell an Teile meiner türk. Landsleute

Ich mag keine Landsleute, die hier gebo­ren sind und immer noch kein gutes Deutsch kön­nen und ihre Kritiker des­we­gen immer als Rechte beschimp­fen! Macht Ihr Euch da eini­ges nicht zu ein­fach?

Sogar „unsere“ tür­ki­sche Regierung for­dert zu Recht die Eurotürken zum Erlernen der Sprache in der Migrationsheimat auf, genauso wie sie die Integration for­dert. Wollt Ihr die auch als rechts ver­un­glimp­fen? Wohl kaum.

Hört end­lich auf, immer nur Opfer zu spie­len, bringt Euch in das Leben hier ein und Ihr wer­det mer­ken, wie schön es ist, allein nach Leistungen bewer­tet zu wer­den, nicht nach der Nationalität. Seid „Mitbürger“ und nicht „die Türken“. Respektiert andere und Ihr wer­det Gleiches bekom­men!

Wenn Ihr oft nur in Gruppen auf­tre­tet, nur mit Türken rum­macht und oft sehr aggres­siv seid, wie wollt Ihr jemals errei­chen, dass die Deutschen Euch respek­tie­ren? Warum habt Ihr kaum deut­sche Freunde? Haben Eure Eltern Deutsche im Freundeskreis? Können sie genug Deutsch, um auf dem Amt alleine alles zu erle­di­gen, zu ver­ste­hen? Helft Ihr ihnen dabei, deutsch zu ler­nen? Nein, denn auch Ihr könnt meis­tens beide Sprachen nicht rich­tig spre­chen.

Denkt ein­mal daran: in der Türkei ist der Staat viel stren­ger. Ausländer die in der Türkei dau­ernd leben wol­len, müs­sen soviel Türkisch kön­nen, um alle Amtsgänge alleine erle­di­gen zu kön­nen, sonst bekom­men sie kein Aufenthaltsrecht. Macht es Klick bei euch?

Ihr könnt nur mit den Deutschen leben, nicht neben den Deutschen! Lernt die Sprache! Integriert Euch und und Ihr wer­det erfolg­reich und bleibt keine Außenseiter! Denn nur wenn Ihr die Sprache erlernt, habt Ihr die Möglichkeit, auch auf die eige­nen Probleme hin­zu­wei­sen, eine Stimme zu haben in die­sem Staat. Nur so könnt Ihr auch gehört wer­den!
Ich finde, dass der deut­sche Staat in der Hinsicht zu libe­ral ist. Türken, die sich par­tout hier nicht inte­grie­ren wol­len, soll­ten sich über­le­gen, warum ihnen soviel Unverständnis ent­ge­gen­ge­bracht wird. Denn dadurch wer­den alle in einen Topf gewor­fen und in Mithaft genom­men. Mir geht es nicht um Assimilation, son­dern um Integration, das ist ein gro­ßer Unterschied. Ich freue mich, dass es eine kul­tu­relle Vielfalt gibt in Deutschland, was aber nicht bedeu­tet, das man sich der Kultur des Landes, in dem man lebt, kom­plett ver­schließt. Auch scheint es in letz­ter Zeit in Mode, anti­se­mi­tisch zu sein. Als Minderheit auf eine klei­nere Minderheit ein­zu­dre­schen ist sogar noch ver­werf­li­cher! Leider sind eben gerade bei die­sem Thema sehr viele jun­gen Türken unter die­sen. Und dafür schäme ich mich.

Wir Türken haben über Jahrhunderte hin­weg Juden immer wie­der das Leben geret­tet, in dem wir sie bei uns auf­nah­men! Wenn ihr schon so stolz dar­auf seid, Türken zu sein, dann hal­tet euch wenigs­tens an unsere eigene Geschichte.

Ich bin kein Rechter, aber sogar ich habe Angst, abends in Köln auf die Straße zu gehen, nur wegen einiger weniger (nicht aller!) Türken, die mich als Schwulen immer wie­der anfein­den. Wenn Euch die offene, schwule Lebensweise stört, dann geht eben in den Iran oder Irak. Da gibt es keine offen leben­den Schwulen und Ihr habt eure Ruhe! Es gibt schwule Türken, ob es Euch passt oder nicht. Genauso beschämt mich die immer wei­ter ausufernde Deutschenfeindlichkeit unter jungen Türken. Ich kann nicht gegen rechte Spinner kämp­fen, wenn diese Art von Feindlichkeit selbst unter Euch herrscht! Manchmal könnte ich echt ver­zwei­feln.

Auch in dem Wissen, das Ihr nie­mals die­sen Blogeintrag lesen wer­det, bitte ich Euch erneut: Lernt die Sprache! Seid inte­griert und erfolg­reich, keine Außenseiter!

Wer dauerhaft Deutschland als seine Heimat sehen will, muss sein Heimatland loslassen. Wer dies nicht macht kommt nie an. Besonders nicht, wenn man sich mehr für Erdogan interessiert als für den Mindestlohn in Deutschland.

Präsidenten kommen und gehen, aber ihr wollt doch genau wie ich in Frieden in Deutschland Leben, unserer Heimat, meiner Heimat. Bitte, macht das 50 Jährige Zusammenleben mit unseren Deutschen Freunden und Mitmenschen nicht kaputt, denn wir haben hier mehr zu verlieren als unsere angeblichen „Führer“ in der Türkei. Hier haben wir Freiheit, Menschenwürde und echte Demokratie. Sie ist auch unsere Demokratie die wir mitgestalten können, als Teil dieser Gesellschaft. Wir sind Mitbürger!

PS: Ich lasse mir in Deutschland von nationalistischen Türken nicht den Mund verbieten. Ihr macht mir keine Angst, das haben Rechte und Salafisten schon nicht geschafft.