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Das Leben, wie ich es sehe.

Was macht mich aus, was bin ich, was ist der Teil an mir, der Gesellschaft ist. Es sitzt tief in uns, das kleine Kind, das uns ausmacht. Das Kind das einfach nur ist, nicht getrieben werden will, nicht bestimmt werden will, sich erfreuen will am Sein. Doch wie viel dieses Kindes lassen wir zu? Wie viel lassen wir uns von anderen unterdrücken? Wieso können wir nicht einfach sein wie wir sind? Unser Leben ist ein großes Theater, mit vielen Schauspielern und tausenden Masken. Unser Leben ist ein großes Theaterstück und die Welt ist unsere Bühne. Wir denken nicht über die Masken nach, denn sie bestimmen für uns unser Leben. Wir haben uns zum größten Teil damit abgefunden und spielen die Rolle unseres Lebens ohne hinter die Bühne zu schauen. Zu sehen, dass da mehr ist als nur das Schauspielen. Zu sehen, dass es noch ein anderes Ich gibt, eines das sich meldet wenn man nicht mehr auf der Bühne steht, sondern alleine ist – ohne Publikum. Wenn man ist wie man ist.  Das macht vielen Angst und sie ziehen wieder auf die Bühne. Angst – sie ist immer da, sie macht mürbe und sie lässt fügen. Masken tragen zu müssen, um Anerkennung zu finden bei Menschen die selber alle nur Masken tragen. Das Leben ist ein Theaterstück und du bist deine Hauptrolle. Nimm die Maske ab, halte sie in den Händen, schaue sie dir an.

Wie viel davon bist du? Gehe mit der Maske in der Hand vor einen Spiegel, schaue dir in die Augen, halte die Maske daneben, sehe, dass die Augen der Maske leer sind. Denn du kannst nur in deine eigenen Augen schauen. Das bist du, mit allen Ecken und Kanten. Du bist einzigartig, nicht wie alle. Du bist nicht die Gesellschaft, du bist ein wertvoller individueller Mensch. Wie viele deine Freunde haben Masken an wie du? Wie viel Ich lassen sie von dir zu? Was würde passieren wenn du deine Maske abnimmst und du bist du? Würden dies deine Freunde verstehen?

Würden sie dich verstehen? Würden sie dich nicht zurechtweisen und sagen, du sollst deine Maske wieder anziehen um wieder in ihr Bild zu passen? Hast du dir schon mal darüber Gedanken gemacht, wie viele Buchstaben man ändern muss um aus einem Freund einen Feind zu machen? Der Feind des inneren Kindes in dir? Der, der es nicht zulässt das Kind in dir zu akzeptieren, weil er es selber nicht kann, nicht will, zu schwach ist. Es ist einfacher andere sich anzupassen, sie zu manipulieren als sich selber mit sich zu beschäftigen. Denn dann spürt man wie leer das eigene Leben ist. Das ist schmerzvoller als das Theater weiter zu spielen. Selbstlüge. Gesellschaftsfähig. Ekelhaft.
Wie fühlst du dich wenn du das alles hier liest? Ist schon eigenartig, einen Text eines anderen zu lesen, der diese Maske abgenommen hat und in dessen Text du dich wieder findest? Ja, es gibt diese andere Welt, in die du gerne kommen wolltest, die du suchst. Nenne nicht leichtfertig Menschen deine Freunde die ihre Masken noch aufhaben, suche dir Menschen die keine aufhaben, die dich annehmen wie du bist, mit denen man auch einfach mal Arm in Arm umschlungen auf der Couch liegen kann, mit geschlossenen Augen und einfach nur sich, den anderen und den Moment spürt und genießt. Das sind Freunde. Menschen die ihre Einzigartigkeit teilen, dir das Gefühl geben, schön, dass es dich gibt; schön, dass du die wertvolle Zeit, die unwiederbringlich ist, mit uns teilst. Hast du dir jemals Gedanken darüber gemacht wie wertvoll Zeit ist? Nein?  Wenn sie so egal ist, warum lebst du dann? Sie ist dir vom Leben geschenkt worden, um die kurze Zeit auf Erden zu genießen, leben und fühlen zu dürfen. Kannst du die Zeit die du verschwendest zurückholen? Nein, diese Illusion gibt es nur beim Video. Deine Zeit verrinnt wie in einer Sanduhr die du nicht drehen kannst. Wenn das letzte Körnchen gefallen ist, ist deine geschenkte Zeit vorbei. Unwiederbringlich.
Verschwende sie nicht, nutze sie! Sie ist neben dem Lebensfunken das Wertvollste, das du hast.
Verlasse die Bühne, gehe hinaus, atme, fühle, spüre, schmecke, sei du! Finde erst dich selber, bevor Freunde dich finden.
Was willst du? Wer bist du? Was fühlst du?
Jeder hat eine Geschichte in sich die keiner kennt, die immer da ist, die keiner erfahren darf. Manchmal will man sie raus schreien, aber du weißt, dass alle dich nur verständnislos anschauen würden, dich ächten, dich aus ihrer Mitte entfernen würden. Denn du passt somit nicht in Ihre Welt, du hast deine Rolle nicht gelernt. Du sollst sie lernen, dann nehmen sie dich wieder auf in ihre wunderschöne Welt der Masken, wo alles toll ist, wo jeder  seine Rolle spielt. Wenn du nicht genug Selbstbewusstsein hast, kaufe dir Statussymbole, diese lenken wunderbar ab, denn damit kannst du Dinge als Erweiterung deines Kostüms benutzen.
Wie viele dieser Symbole trägst du selber? Wann ist die Last so groß das du unter alle dem zusammenbrichst? Wann kannst du nicht mehr?
Wie oft warst du verzweifelt, wie oft hast du heimlich geweint? Wie oft fühltest du dich trotz Freunden alleine? Einsam? Unbeschützt? Ohne Geborgenheit? Ohne jemanden, der dich und das Kind in dir umarmt ohne etwas zu wollen? Würdest du so einem Menschen nicht misstrauen? Warum nimmt der mich in den Arm? Der will doch etwas. Wie viele Menschen kennst du, die einfach geben ohne haben zu wollen? Seine Körperwärme mit jemandem zu teilen ist intimer als seinen Schwanz irgendwo rein zu stecken. Schon mal darüber nachgedacht? Ich denke mir, dass durch diesen Text viele verunsichert sind. Sich Fragen stellen. Doch die Antworten tun weh, sehr weh. Denn du fühlst dich trotz all deiner Freunde so alleine. Das schmerzt. Was hast du all dein Leben gemacht? Wieso kommt die Erkenntnis jetzt erst? Hast du die Kraft? Du? JA! Ein Mensch der so viele Lasten tragen kann, kann sie auch von sich werfen und merken wie leicht man eigentlich ist, Wie frei man ist, nicht mehr eingeengt zu sein. Seine Geschichte raus zu schreien und sich zu befreien. Sag zu dir: Ich bin ich. Ich bin nicht die. Ich bin stark, ich will leben.

One Comment

  1. Moin!
    Jetzt bin ich über Daujones zu Tante Jay zu dir gekommen…
    Wie ich sehe, bin ich nicht der Einzige mit dieser Erkenntnis. Und: Das kann verdammt weh tun. Es ist schön, dass es Menschen gibt, bei denen man seine Fassade fallenlassen kann. Ich habe festgestellt, dass das öfter geht, als ich glauben wollte. Viele wollen oder können nicht darauf eingehen. Manche sind betroffen. Aber ich habe noch nicht erlebt, dass jemand deshalb negativ über mich urteilt.
    Aber: Fast immer bringt es nichts. Um es auf Macho zu übersetzen:
    Es bringt nichts, sich vor der geilen Ganxta Biatch auszuziehen, wenn sie noch die Winterjacke anhat. Es braucht Menschen, die sehen, dass du dich öffnest und darauf eingehen. Die auch ihre Gefühle ehrlich zeigen. Die sind selten, aber es gibt sie.
    Weniger schön ist, danach von eben diesen Menschen im Stich gelassen zu werden, weil sie sich kulturellen und/oder finanziellen Zwängen beugen müssen (oder glauben zu müssen, das kann ich nicht beurteilen). Was mache ich jetzt damit? Vor 4 Jahren habe ich gemerkt: Es gibt einen Menschen, der mich gern hat, wie ich bin. Mit nem Nerd-T-Shirt, nem Werkzeugkasten und auch mal mit ölverschmierten Fingern. Diese Erkenntnis hat mich aufgebaut. Sobald ich das gemerkt habe, habe ich andere Menschen anders gesehen, und habe mich geborgen gefühlt. Doch Menschen ziehen weiter. Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich das letzte Mal Geborgenheit gefühlt. In der Straßenbahn. Ich hatte gehofft, dass es weiter geht. Aber irgendwie scheint es vorbei zu sein. Ich versuche, offen zu sein. Ich versuche, zumindest in einen Teil meines Lebens meine Last nicht reinzulassen. Aber dieser Teil wird immer kleiner. Die Einstellung „Ich bin stark, ich will leben“ entspricht ziemlich genau meiner. Sie hat mich über mehrere Jahre getragen. Aber mit der Zeit werde ich schwächer. Wie machst du es, den Kopf trotzdem oben zu halten? Ich kann es nicht mehr. Ich sehe nur noch, was ich tun muss, um zu überleben.

    In diesem Sinne ein möglichst frohes Jahr 2013!

    PS: >Seine Körperwärme mit jemandem zu teilen ist intimer als seinen Schwanz irgendwo rein zu stecken.
    Das unterschreibe ich sofort! Schöner hättest du es nicht sagen können!

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