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Appell an Teile meiner türk. Landsleute

Ich mag keine Landsleute, die hier gebo­ren sind und immer noch kein gutes Deutsch kön­nen und ihre Kritiker des­we­gen immer als Rechte beschimp­fen! Macht Ihr Euch da eini­ges nicht zu ein­fach?

Sogar „unsere“ tür­ki­sche Regierung for­dert zu Recht die Eurotürken zum Erlernen der Sprache in der Migrationsheimat auf, genauso wie sie die Integration for­dert. Wollt Ihr die auch als rechts ver­un­glimp­fen? Wohl kaum.

Hört end­lich auf, immer nur Opfer zu spie­len, bringt Euch in das Leben hier ein und Ihr wer­det mer­ken, wie schön es ist, allein nach Leistungen bewer­tet zu wer­den, nicht nach der Nationalität. Seid „Mitbürger“ und nicht „die Türken“. Respektiert andere und Ihr wer­det Gleiches bekom­men!

Wenn Ihr oft nur in Gruppen auf­tre­tet, nur mit Türken rum­macht und oft sehr aggres­siv seid, wie wollt Ihr jemals errei­chen, dass die Deutschen Euch respek­tie­ren? Warum habt Ihr kaum deut­sche Freunde? Haben Eure Eltern Deutsche im Freundeskreis? Können sie genug Deutsch, um auf dem Amt alleine alles zu erle­di­gen, zu ver­ste­hen? Helft Ihr ihnen dabei, deutsch zu ler­nen? Nein, denn auch Ihr könnt meis­tens beide Sprachen nicht rich­tig spre­chen.

Denkt ein­mal daran: in der Türkei ist der Staat viel stren­ger. Ausländer die in der Türkei dau­ernd leben wol­len, müs­sen soviel Türkisch kön­nen, um alle Amtsgänge alleine erle­di­gen zu kön­nen, sonst bekom­men sie kein Aufenthaltsrecht. Macht es Klick bei euch?

Ihr könnt nur mit den Deutschen leben, nicht neben den Deutschen! Lernt die Sprache! Integriert Euch und und Ihr wer­det erfolg­reich und bleibt keine Außenseiter! Denn nur wenn Ihr die Sprache erlernt, habt Ihr die Möglichkeit, auch auf die eige­nen Probleme hin­zu­wei­sen, eine Stimme zu haben in die­sem Staat. Nur so könnt Ihr auch gehört wer­den!
Ich finde, dass der deut­sche Staat in der Hinsicht zu libe­ral ist. Türken, die sich par­tout hier nicht inte­grie­ren wol­len, soll­ten sich über­le­gen, warum ihnen soviel Unverständnis ent­ge­gen­ge­bracht wird. Denn dadurch wer­den alle in einen Topf gewor­fen und in Mithaft genom­men. Mir geht es nicht um Assimilation, son­dern um Integration, das ist ein gro­ßer Unterschied. Ich freue mich, dass es eine kul­tu­relle Vielfalt gibt in Deutschland, was aber nicht bedeu­tet, das man sich der Kultur des Landes, in dem man lebt, kom­plett ver­schließt. Auch scheint es in letz­ter Zeit in Mode, anti­se­mi­tisch zu sein. Als Minderheit auf eine klei­nere Minderheit ein­zu­dre­schen ist sogar noch ver­werf­li­cher! Leider sind eben gerade bei die­sem Thema sehr viele jun­gen Türken unter die­sen. Und dafür schäme ich mich.

Wir Türken haben über Jahrhunderte hin­weg Juden immer wie­der das Leben geret­tet, in dem wir sie bei uns auf­nah­men! Wenn ihr schon so stolz dar­auf seid, Türken zu sein, dann hal­tet euch wenigs­tens an unsere eigene Geschichte.

Ich bin kein Rechter, aber sogar ich habe Angst, abends in Köln auf die Straße zu gehen, nur wegen einiger weniger (nicht aller!) Türken, die mich als Schwulen immer wie­der anfein­den. Wenn Euch die offene, schwule Lebensweise stört, dann geht eben in den Iran oder Irak. Da gibt es keine offen leben­den Schwulen und Ihr habt eure Ruhe! Es gibt schwule Türken, ob es Euch passt oder nicht. Genauso beschämt mich die immer wei­ter ausufernde Deutschenfeindlichkeit unter jungen Türken. Ich kann nicht gegen rechte Spinner kämp­fen, wenn diese Art von Feindlichkeit selbst unter Euch herrscht! Manchmal könnte ich echt ver­zwei­feln.

Auch in dem Wissen, das Ihr nie­mals die­sen Blogeintrag lesen wer­det, bitte ich Euch erneut: Lernt die Sprache! Seid inte­griert und erfolg­reich, keine Außenseiter!

Wer dauerhaft Deutschland als seine Heimat sehen will, muss sein Heimatland loslassen. Wer dies nicht macht kommt nie an. Besonders nicht, wenn man sich mehr für Erdogan interessiert als für den Mindestlohn in Deutschland.

Präsidenten kommen und gehen, aber ihr wollt doch genau wie ich in Frieden in Deutschland Leben, unserer Heimat, meiner Heimat. Bitte, macht das 50 Jährige Zusammenleben mit unseren Deutschen Freunden und Mitmenschen nicht kaputt, denn wir haben hier mehr zu verlieren als unsere angeblichen „Führer“ in der Türkei. Hier haben wir Freiheit, Menschenwürde und echte Demokratie. Sie ist auch unsere Demokratie die wir mitgestalten können, als Teil dieser Gesellschaft. Wir sind Mitbürger!

PS: Ich lasse mir in Deutschland von nationalistischen Türken nicht den Mund verbieten. Ihr macht mir keine Angst, das haben Rechte und Salafisten schon nicht geschafft.

30 Comments

  1. Hi Ali,
    oder Merhaba, wie ich immer zu meinen älteren türkischstämmigen Kunden sage 😉
    Ich besuche fast täglich eine oder mehrere türkischstämmige Familien in ihren Wohnungen.
    Unterschiede gibt es da schon regional. Meine Sauerlandtürken sind zu einem hohen Prozentteil wirklich nicht willig sich zu integrieren. Im Ruhrgebiet sieht es da schon etwas bis ganz anders aus. Traurig finde ich aber, wenn eine Frau kein deutsch kann und ihre 14 jährige
    Tochter dolmetschen muss. Diese spricht perfekt deutsch, also gehe ich davon aus, dass die Mutter auch schon mindestens 14 Jahre oder länger hier lebt. Warum ist das so? Dürfen sie nicht? Haben ihre Männer Minderwertigkeitskomplexe? Sie bringen sich doch selbstr um so viel Lebensqualität.
    Ich habe auch mit Marokkanern zu tun, die da ganz anders sind. Oder auch Tunesiern.
    Neulich traf ich einen flüchtigen Bekannten, der mit seiner jungen Tochter türkisch sprach. Ich fragte ihn, ob sie auch schon deutsch spricht. Dieses verneinte er mit dem Hinweis, dass sie erst mal ihre Muttersprache lernen muss. Er ist schon hier geboren. Da kann ich echt nur mit dem Kopf schütteln.
    Ich finde türkischstämmige Frauen auch oft wunderschön, aber anmachen? lohnt sich nicht. Die dürfen eh nichts mit deutschen anfangen, spielen dabei sogar mit ihrem Leben. Siehe den Fall Hatun Sürücü.

      • „Ehrenmorde“ werden meistens innerhalb der kurdischen Community verübt. Anhand der Namen kann man da fast nie unterscheiden.“ So ein Kommentar war so unnötig! Klar die bösen Kurden, Türken tun so etwas nicht! Was geht mir das auf die nerven. Welch blödes Vorurteil. Sorry ich weiss, als Türkin muss ich Kurden doof finden, so kommts mir vor. Aber wir sind alles Menschen und leben auf dieser Erde.

    • Der Hinweis „muss erstmal ihre Muttersprache lernen“ ist SO verkehrt nicht.

      Stichwort „Sprachgefühl“ – du kannst keine Sprache lernen, wenn du kein Gefühl für Sprachen hast. Wenn du nicht mal die Muttersprache richtig sprichst, kann man dir auch keine andere Sprache beibringen.
      Und selbst wenn die Leute hier schon viele Jahre leben, ist die Realität für viele, dass Türkisch *eigentlich* die Muttersprache ist. Aber wie Ali sagt: Sie können sie nicht mehr richtig. Und bringen sie den Kindern falsch bei.

      Was zu fiesen Sprachverwirrungen führt, wie man bei Jugendlichen sehen kann. Die KÖNNEN nicht anders sprechen, weil sie nie auch nur die Sprachgrundlagen erlernt haben und Deutsch nach wie vor eine Fremdsprache für sie ist. Das betrifft aber leider in der Mehrheit die Türken. Wo da das Problem liegt, ist oberhalb meines Erkenntnishorizonts, wie du richtig sagst: Marokkaner oder Tunesier haben dieses Problem nicht in der Breite.

      Eine Lösung des Problems ist Türkischunterricht für die Kinder statt Deutsch. Die lernen dann erstmal in der Grundschule ihre Muttersprache vernünftig, damit sie auch mal ein Gefühl für Grammatik, Satzbau und Ausdruck bekommen – und DANN lernen sie Deutsch.

      Die Erfolge an den Schulen sind beachtlich – nebenbei bemerkt.

      • Das ist der falsche Ansatz. Mal von den finanziellen und organisatorischen Aspekten abgesehen, wozu dient denn die Muttersprache?
        Um einen Stellenwert in der Gesellschaft zu erreichen ist die deutsche Sprache
        Voraussetzung. Falls die hohen Leistungsanforderungen noch genug Leistungswillen
        übrig lassen ist das erlernen der Muttersprache, neben anderen Fremdsprachen,
        Freizeibeschäftigung.

        • Zinower, der Ansatz ist aus sprachwissenschaftlicher Sicht genau der richtige. Deutsch ist natürlich wichtig. Aber vor allem ist wichtig, dass du richtiges Deutsch sprechen kannst.

          Und das lernst du nicht, wenn du nicht mal im Ansatz ein Gefühl für Sprachen bekommst. In vielen türkischen Haushalten wird heute ein Mischmasch aus Deutsch und Türkisch gesprochen (selbst erlebt, ich konnte teilweise den Gesprächen folgen, obwohl ich kein Wort Türkisch kann, von Pide/Döner/Lahmacun mal abgesehen *hust*).

          Die Kinder aus diesen Haushalten können dem Deutschunterricht schlichtweg nicht folgen, weil sie nicht wissen, wie man mit Sprache umgeht. Das müssen sie erst lernen.

          Sprache ist eine Kulturtechnik, die man lernen muss. Und bekommst du die Grundlagen nicht zu Hause, müssen die leider erst in der Schule erarbeitet werden. Darum auch der Türkschunterricht an vielen Grundschulen in NRW.

          Nochmal: Es *wird* bereits so vorgegangen und es *wird* bereits der organisatorische und administrative Aufwand betrieben. Weil wir uns es nämlich nicht mehr leisten können, Kinder schon von der ersten Klasse der Grundschule an zu verlieren und über die Wupper gehen zu lassen.

          Es hilft nix zu sagen „ja, aber die sollten doch deutsch können“ – ja. Sollten sie. Können sie aber nicht. Das ist ein Fakt. Und bevor du eine komplette Klasse den Bach runtergehen läßt, weil mindestens ein Viertel bis die Hälfte kein vernünftiges Deutsch kann, läßt du die doch erstmal die Muttersprache richtig lernen (was oft genug Türkisch ist, sorry Ali, du kennst deine Landsleute – ich hab keine Ahnung woran das liegt, aber die Probleme haben weder Chinesen noch Araber in der Form) und DANN kann man denen Deutsch als erste Fremdsprache beibringen.

          Wie sieht die Realität denn aus? Englisch soll bereits im Kindergarten als Fremdsprache unterrichtet werden. Und du stopfst Kindern, die nicht mal die eigene Sprache richtig kennen, mit einer dritten Sprache voll bevor sie die erste und die wichtige zweite Sprache überhaupt kennen.

          Und dann wundern wir uns, warum die alle in der Hauptschule versagen und über einen Wortschatz von maximal 400 Worten verfügen.

      • Sollte nicht das gefühl von Heimat und Muttersprache da liegen wo ein Kind geboren wird und aufwäckst? Diese Kinder müssen das gezwungenermaßen von denn Eltern annehmen, wo diese aufgewacksen sind und des gefühl haben, ich finde es schade das viele dann im jugendlichen alter nicht das gefühl von Heimat entwickeln können dadurch. Sie sind hin und her gerissen und wissen zum teil nicht wirklich wo sie hin gehören. Für diese Kinder die hier geboren sind ist hier die Heimat und Sprache, dann währen sie gefestigter.

  2. hey Ali,
    ich verstehe deine Argumentation teilweise ganz gut, gerade aus deiner Position heraus a) als jemand der wohl auch meist als „einer von denen“ zugeordnet wird und b) als Schwuler, der von „denen“ wohl häufig angefeindet wird. Auch empfinde ich es an sich als ganz hervorragend, dass du deine Stellungnahme hier als Appell an die Landsleute formulierst,
    allein: du weißt selbst (schreibst du) dass es die gar nicht erreicht, die du (vermeintlich?) ansprichst.
    Es wirkt befremdlich: nebenher fütterst du pauschalisierend „türken“-feindliche Argumentationen mit deiner Darstellung und erreichst die jenigen gar nicht an die du dich eigentlich wendest…ist das unüberlegt von dir? Ist dir das nicht so wichtig? Versteh ich da wesentliches deiner Absicht nicht? Suchst du vor allem Bestätigung? Fragen, Fragen, Unbehagen…

    • Das mit den türkenfeindlichen Argumenten solltest du dann doch näher erklären, denn ich bekomme gerade von Türken sehr viel pos. Feedback.

  3. Ich kann mich der Meinung von diesem Blog nicht anschliessen. Wir haben Personen aus 10-15 Nationen in unserer Forschungsgruppe (auch einen Türken). Sie sind hochbegehrte und willkommene Mitbürger. Nie würde jemand auf die Idee kommen, dass die deutsche Sprache eine Voraussetzung für die Integration darstellt. Im Gegenteil, wir alle sprechen Englisch. Die Leute kommen zu Parties und fühlen sich wohl in unserem Land. Manche lernen auch Deutsch – am wenigsten interessanterweise die Englischsprachigen. Stört das wen? Nein? In der USA – dem Einwanderungsland schlechthin – stört das auch niemanden. Da ist es besser eine Objektorientierte Programmiersprache zu erlernen und in ein gebildetes Arbeitsumfeld zu kommen – dann verlangt keiner mehr die deutsche Sprache 😉

    • Also das ist kurzsichtig und trifft nichtmal das Thema richtig… eine Forschungsgruppe trifft sich doch wohl zu einem gemeinsamen Zweck, in dem Fall der Forschung. Da geht es um Arbeit.
      Natürlich braucht man da eine gemeinsame Sprache, in Eurem Fall Englisch, wo sich jeder verständigen kann. Der Hintergrund ist derselbe wie in Alis Aufforderung, Deutsch zu lernen. Wer hier leben will, sollte sich verständigen können, wir sind hier nicht in den USA oder in Großbritannien, also ist Englisch eher die zweite Wahl – und stellt nebenbei ebenfalls eine Fremdsprache dar, egal ob nun für Türken oder Deutsche. Ich versteh die Argumentation daher nicht wirklich.
      Grade in einem Forschungsprojekt ist doch sicher auch eine Reihe Fachbegriffe nötig. Ob man die nun in Englisch lernen muss oder in Deutsch oder von mir aus in Chinesisch, der Aufwand bleibt derselbe, es muss erstmal gelernt werden.
      Übrigens, wie kommt man denn in ein gebildetes Arbeitsumfeld, wenn man in der Schule nicht mitkommt, weil man die Sprache der Mitschüler nicht spricht?

    • Was ist denn die Landessprache in Deutschland Stefan? Deutsch oder? Wenn man in Deutschland arbeiten will, was sollte man da beherrschen? Englisch oder Deutsch? Hier gings doch bei dem Thema um Deutschland – und nicht um irgendein anderes Land. – Und geh mal nicht nur von deiner Forschungsgruppe aus ! Ich stell mir grad vor, ein ganz normaler Arbeiter in einem Verpackungsbetrieb am Band, der redet eine Objektorientierte Programmiersprache. – Kann ja nicht jeder in einer Forschungsgruppe tätig sein so wie du. Man man – du bist völlig am eigentichen Thema vorbei !!

      • Also ich arbeite an einer Universität in Deutschland und hier ist es definitiv möglich, ohne Deutschkenntnisse zu arbeiten. Ohne Englisch geht’s nicht.

        Das ist jetzt kein Appell dagegen, Deutsch zu lernen. Es gibt aber tatsächlich Arbeitsumgebungen (für Erwachsene), in denen das nicht allerhöchste Priorität hat.

        Dass es keine gute Idee ist, dauerhaft irgendwo leben zu wollen ohne die meistgenutzte Alltagssprache (hier Deutsch) zu lernen, bleibt unbestritten.

        Wer in Deutschland zur Schule geht, braucht Deutschkenntnisse.
        Im Alltag ist es wohl besonders wichtig zumindest Deusch oder Englisch (bis auf sehr alte Menschen haben das hier Alle ja wenigstens ein Bisschen in der Schule gerlern) zu können. Da würde ich empfehlen, erst mit der Sprache anzufangen, wo schon bessere Kenntnisse da sind (wer in der „alten Heimat“ schon Englsich in der Schule hatte, kommt damit wahrscheinlich erstmal besser zurecht als gleich mit Deutsch von vorn anzufangen.).

  4. @Tante Jay
    Das ist der falsche Ansatz. Mal von den finanziellen und organisatorischen Aspekten abgesehen, wozu dient denn die Muttersprache?
    Um einen Stellenwert in der Gesellschaft zu erreichen ist die deutsche Sprache
    Voraussetzung. Falls die hohen Leistungsanforderungen noch genug Leistungswillen
    übrig lassen ist das erlernen der Muttersprache, neben anderen Fremdsprachen,
    Freizeibeschäftigung.

  5. @AliCologne
    Ich wünsche Dir viel Glück, allerdings frage ich mich wen von deinen Landsleuten Du mit den
    Appell erreichst.
    Ich glaube wegen deiner sexuellen Ausrichten wirst Du am ehesten unter „Nichtmuslimen“
    Freunde finden.
    Traurig aber wahr.

  6. Großartiger Beitrag. Absolut nachvollziehbar und sehr interessant.
    Um die Anfeindungen von anderen Deutschtürken Dir gegenüber tut es mir leid. Sie zeigen, dass diese Leute selbst noch einiges an Weg zu gehen haben.

  7. Integration ist aber auch keine Einbahnstraße. Von den Türken wird immer so viel verlangt, aber die deutsche Gesellschaft zeigt überhaupt kein Interesse an der türkischen Gemeinde.
    Warum muss sich ein Türke rechtfertigen, wenn er für sich entschieden hat, mit der Tochter in den ersten Lebensjahren auf Türkisch zu kommunizieren? Ganz sicher hätten vielen keine Probleme damit, wenn der Vater Spanisch spräche. Diese Doppelmoral stößt bei vielen sauer auf und sie sehen sich in der subjektiven Meinung bestätigt, dass die Mehrheitsgesellschaft sie nur assimilieren möchte.

    • Sorry SANSAR – was du da behauptest ist einfach lächerlich. Doppelmoral, wenn ich so was lese . Lachhaft

    • Wie kommen Sie darauf, dass es bei einem Spanier akzeptiert wäre, einem hier lebenden Kind (das hier zu Schule gehen soll) in den ersten Lebensjahren kein Deutsch beizubringen (also indem zuhause konsequent nur andere Sprachen gesprochen werden)?

      Falls Sie mehrsprachige Erziehung meinen (also die Elternteile benutzen konsequent jeweils eine andere Sprache), dann ist das natürlich in Ordnung, solange einer der beiden Sprachen Deutsch ist.

      Ansonsten haben es die Kinder halt unnötig schwer, wenn sie in den Kindergarten kommen und dort ständig eine Sprache gesprochen wird, die sie nicht verstehen (je älter, desto schwieriger).

  8. Hallo Ali,so wie du es beschrieben hast bin auch aufgewachsen.Meine Eltern hatten kaum oder gar keine Deutschen Freunde.Das ist aber bei mir und meinen 6 Geschwistern Gott sei dank anders.Ich bin wie ich behaupten kann voll integriert.Aber muss dir trotzdem eins sagen.Auch du bist ein eher dunkler Südländischer Typ wie ich es auch bin.Wenn du aber in für Bäckerei oder in irgend ein Geschäft gehst wirst du erst einmal in die Schublade gesteckt .Es dauert bis der Deutsche dich kennen lernt und zu schätzen weiß.Dann erst sieht er dich als voll integriert.Das ist leider immer ein gleiches Ritual.Meine Mutter hat heute eine Wohnung nicht bekommen weil sie ein Kopftuch trägt.Sie ist die liebenswerteste Frau auf diesem Planeten. Trotzdem bin ich deine Meinung je mehr deutsch Türken es verstehen sich mit den Deutschen zu vermischen desto leichter wird es.Raus aus der parrallel Gesellschaft.Grüsse Ercan

    • Ich habe den Eindruck, hier gehen verschiedene Dinge durcheinander. Ich würde die (ererbte Hautfarbe) nicht mit der persönlichen Entscheidung zum Kopftuchtragen in einen Topf werfen:
      Beides ist aus meiner Sicht kein guter Grund, eine Person abzulehnen. Trotzdem gibt es Dinge, die ganz grundsätzlich niemandem vorzuwerfen sind (ich seh‘ halt so aus – da kann ich nichts für) und Dinge, die diskutierbar sein sollten (ob Kleidungstradition oder Religion – da kann man sich aussuchen, wie man es halten will und ist grundsätzlich auch persönlich verantwortlich).

      Wenn mir jemand (Herkunft egal) sagt, er/sie glaubt an etwas oder „muss“ etwas tun (oder „darf“ etwas nicht essen), bloß wegen der Abstammung, dann sortiere ich diese Leute schon in eine gewisse Schublade ein. Nämlich in die Schublade von Leuten, die sich mehr über Abstammung identifizieren als über persönliche Entscheidungen (von solchen Leute werde ich auch entgegen meiner Überzeugung gelegentlich als Christ bezeichnet, was mich sehr ärgert). Solche Leute habe ich auch nicht so gern in meinem Umfeld, weil da eine Diskussion (z.B. über Kleidungs- oder Religionsfragen) kaum möglich ist, ohne dass diese Leute sich in ihrer Identität angegriffen fühlen.

  9. Zu meiner Zeit, also als ich zur Grundschule ging, von 1973-77 hatten wir je eine türkische und griechische Klasse an der Schule. Mit je einem türkischen und griechischen Lehrer. Der Unterricht wurde weitgehend in türkisch oder griechisch abgehaltenin diesen Klassen und ZUSÄTZLICH gab eine deutsche Lehrerin regelmäßig mehrere Stunden pro Woche Deutschunterricht. Das hat sich zumindest bei den griechischen Kindern bezahlt gemacht. Etliche von ihnen waren hinterher auf dem Gymnasium und haben studiert. Da sprachen sie eigentlich perfekt Deutsch. Von den türkischen Schülern haben das weniger geschafft. Ich denke, da muss zusätzlich das Elternhaus auch bildungsoffen sein und einen gewissen Ehrgeiz an den Tag legen.

  10. Deutsche o. türkische Mitbewohner die deine Ansichten und Lebensweisen genauso wie du vertreten, sind in Deutschland als Nachbar u. Freund herzlich willkommen!
    Schade, dass man solche Personen lange suchen muss.

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