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Rücktrittsforderung an Queerbeauftragten.

Diese Mail habe ich heute bekommen. Nein ich werde auf keinen Fall zurücktreten. Aber zum Zwecke der Transparenz veröffentliche ich diese Mail, denn Mails von den JuPis an den Beauftragten, zumal so eine, sind nicht Privat.

Bildet euch eure eigene Meinung. Übrigens: Diese Menschen wettern Homophob gegen mich und wollen Queerpolitik für sich beanspruchen? Jemand der Twittert: „Männertränen sind mein Gummibärensaft“ will mir etwas über Diskriminierung sagen? Ich Arbeite seit meinen 19 Geburtstag für die Queer Community, ich werde bald 46, da braucht niemand von der Seite mir erzählen was Sexismus ist und was nicht, ich kann ihnen aber sehr gerne sagen was Humorbefreitheit o. weltfremdes Gehabe ist. Diese Menschen waren noch nie bei einer Queeratensitzung dabei, habe sie noch nie beim CSD gesehen oder sonst in der Queerpolitik beobachtet. Bleibt bei eurem Thema, mischt euch nicht in Themen ein, die ich euch abspreche. Ihr könnt doch keine Reaktion erzwingen wenn für mich alles in Ordnung ist. Eure Empörung ist eure Sache, nicht meine. Und nun: Weitermachen. Der politische Gegner sollte nicht in- sondern außerhalb der Partei gesucht werden.

Es gibt Männer mit Bärten und alles andere sind Frauen (für mich weil ich nicht auf Frauen stehe). Wo ist der Punkt mit Trans*frauen?

Ich vertrete Menschen, keine Ideologien.  

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Hallo Ali,

 

ich (und einige Unterstützer*innen) schreibe dir wegen deiner Themenbeauftragung Queerpolitik.

Ich habe auf deinem Twitteraccount am 26. Apr. 2014 folgenden Tweet gelesen: „Es gibt Männer mit Bart und die anderen heißen Frauen. :-P“ https://twitter.com/AliCologne/status/460004766152921088

Ich weiß nicht genau, wie du „queer“ definierst, aber nach meinem Verständnis fällt auch Politik für/rund um Trans*Personen in deinen Themenbereich.

Du solltst deswegen wissen, dass deine Aussage absolut cissexistisch ist. Nicht alle Männer tragen Bart, nicht alle Frauen tragen keinen – Definition von Geschlechtern auf diese Art und Weise ist trans*feindlich und reproduziert cissexistische Mythen von Binärgeschlechtlichkeit.

Als Sprecher für Queerpolitik populistische Aussagen darüber zu machen, wann ein Mann ein Mann ist und wie er „zur Frau wird“ (?!?), halte ich für absolut kontraproduktiv, aber vor vor allem verletzend. Ich glaube nicht, dass Trans*Personen sich auf diese Weise von dir vertreten fühlen. Nicht nur Menschen, die in ihrem Alltag zur Genüge mit falschen und ungewollten Geschlechtszuschreibungen zu kämpfen haben, sollten wenigstens von einem Menschen, der sie politisch vertreten soll, mehr Solidarität erhalten. Und mit Solidarität meine ich nicht, dass sich hin und wieder dafür ausgesprochen wird, dass eins ja voll für Rechte von Trans*Personen wäre, sondern ich wünsche mir aktives Hinterfragen der eigenen Aussagen und „Witze“. Sich über diskriminierte Gruppen lustig zu machen, zeugt weder von Humor, noch von Menschlichkeit. Wenn Witze über Diskriminierte okay sind, zeigt das, dass wir ihre Anliegen nicht ernst nehmen – gerade in der Politik ein fataler Fehler, denke ich, aber auch menschlich mehr als nicht okay.

Hinzu kommt dann noch ein Tweet vom heutigen Tag: „Grüne Jugend schafft Männer ab. pic.twitter.com/gX6fktPObF“ https://twitter.com/AliCologne/status/486458058370215936

Deine einzige Sorge ist, Männer könnten diskriminiert werden – was nicht der Fall ist. Denn dass hier eigentlich Trans*frauen diskriminiert werden, siehst du nicht oder scheint dir egal zu sein. Du bist entweder nicht willig, auch Trans*personen zu vertreten oder es fehlt dir an fundamentalen Kenntnissen, die für deine Beauftragung aber notwendig wären.

 

Du scheinst zudem nicht verstanden zu haben, was Sexismus bedeutet: „Wenn nackte Frauen sexistisch sind, dann hängt eben mehr nackte Männer auf. #AusGründen“ https://twitter.com/AliCologne/status/456734236028833793 Das Konzept Sexismus (sowie natürlich Hetero- und Cissexismus) verstanden zu haben, hätte ich als Grundlage für den Job als Themenbeauftragter für Queerpolitik gesehen.

Zudem tragen solche Aussagen zu einem frauen*feindlichen Klima bei, was sich beispielsweise darin niederschlägt, dass bei den Queeraten fast nur Männer* aktiv sind – das kann nicht der Sinn einer queeren Arbeitsgruppe sein.

Du solltest wirklich darüber nachdenken, ob es in der Piratenpartei nicht Menschen gibt, die für die Beauftragung kompetenter sind.

Herzliche Grüße,

Jasna Strick, Sprecherin im Bundesvorstand der Jungen Piraten

Weitere Unterzeichner*innen:

Rob Wessel, Sprecher im Bundesvorstand der Jungen Piraten

Lara Pszenny, Sprecherin im Bundesvorstand der Jungen Piraten

Leo Bellersen, Generalsekretär im Bundesvorstand der Jungen Piraten

Patrick Rauscher, Schatzmeister im Bundesvorstand der Jungen Piraten

Jan Steinfels, Sprecher im LaVo der Jungen Piraten Berlin

Sebastian Beckert, Sprecher im LaVo der Jungen Piraten Sachsen

Samuel Wagner, Sprecher im LaVo der Jungen Piraten Bayern

Fabio Reinhardt, MdA, Mitglied im Frauenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses

Simon Weiß, MdA

Wolfgang Dudda, MdL

Stephan Bliedung, Basis

Anselm Schmidt, Vorstand Piratenpartei Dresden-Neustadt

Alexandra Brückner, Basis

Anna Vogelgesang, Basis

Florian Macherey, Basis

Yuri, Derp

Miriam Seyffarth @_noujoum, Basis

questionatic

Lara Lämke

 

— Jasna Lisha Strick Bundessprecherin Junge Piraten e.V. Pflugstr. 9a 10115 Berlin Tel.: 030 5770207-0 Fax.: 030 5770207-11 http://junge-piraten.de Die Jungen Piraten sind ein von der Piratenpartei unabhängiger, gemeinnütziger Verein, eingetragen im Vereinsregister beim Amtsgericht Berlin Charlottenburg, VR 30966B. Der Verein wird vertreten durch Leo Bellersen (Generalsekretär) und Patrick Rauscher (Schatzmeister). Sprecher*innen: Norbert Hense, Lara Pszenny, Jasna Strick, Rob Wessel.

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Beide Seiten des Spiegels begreifen

(Dieser Text ist mein subjektives Bild  der letzten Monate aus meiner ganz eigenen Perspektive. Jeder hat seine eigene Perspektive und muss sich darin nicht unbedingt wiederfinden!)

Es war die Vision einer gerechten Welt die uns voranbrachte und Seite an Seite gemeinsam für unser Ziel zusammenarbeiten lies. Vergangenheitsform. Ganz bewußt. Wir haben uns auf halber Strecke verloren, jeder auf seiner Seite des Spiegels. Wir sahen das gleiche Bild, gleichzeitig aber jeder nur aus seiner Sicht. Wir haben vergessen uns gemeinsam davor zu stellen. Wie kam es dazu? Was trennte uns, warum vergaßen wir was uns einte? Ob es dafür eine entgültige Antwort geben wird, weiß ich nicht. Sehr wohl aber das wir das Vertrauen verloren haben, misstrauisch wurden. Wir schnitten uns selber die Möglichkeit ab, uns zu verstehen. Denn dieses Misstrauen war wie ein Gift, das uns von innen zerfraß. Wir ließen es zu, denn es war schleichend. Gates wie das Bombergate oder das Molligate waren nicht der Auslöser, sondern sie brachten offenes Feuer da rein, wo es seit langem schon schwelte. Wir löschten nicht, wir schauten zu wie es sich zu einem Flächenbrand entwickelte. Vielleicht nicht mal mit Absicht, eher aus der vermeintlichen Hilflosigkeit heraus. Egal, es brannte.

Wie komme ich auf das Beispiel mit dem Spiegel? Das hat mit den jetzigen und vergangenen Buvo zu tun. Die sogenannten sozial-liberalen fühlten sich vom alten Buvo im Stich gelassen. Ihnen wurden schleichend die Themen genommen, die für sie die Piratenpartei ausmachten. Prioritäten wurden anders gesetzt, Themen übergangen. Sie wurden mit Gates alleine gelassen. Die vermeintlich gefestigte Seite versuchte gar nicht zu verstehen warum diese Situation eskalieren musste, im Gegenteil, man beschimpfte ganze Landesverbände. Im Gedanken der Überlegenheit fand man sich zusammen, um gezielt Piraten anzugreifen, oftmals schon grenz wertig an Mobbing erinnernd. Man begriff anscheinend nicht, was man tat. Nur im Glauben, die Guten zu sein. Irrglaube. Diese monatelangen Tiraden ließen die Stimmung langsam in Hass umschwenken. Man begehrte auf gegen die vermeintlichen Unterdrücker. Alle Dämme gebrochen, alle Moral abgelegt und nur noch im Verteidigungsmodus ging man aufeinander los. Labels wurden ausgepackt, immerhin musste man sich abgrenzen. Man gehörte ja nicht zu denen, denn jetzt war man selber „die Guten“, mit der selbst vergebenen Lizenz, um mit genauso perfiden und schlechten Methoden den Kampf um die Partei zu eröffnen. Es war ein Desaster, auf beiden Seiten. Plötzlich befanden sich Parteifreunde auf unterschiedlichen Seiten, scheinbar unversöhnlich, jeweils in der eigenen Wagenburg/Bubble gefangen.

Es wurde hässlich, denn natürlich kannte man die Schwächen, die wunden Punkte, die Fehler des anderen. Ich würde gerne jetzt etwas anderes schreiben als: Und diese wurden gezielt benutzt und ausgenutzt, nur um den vermeintlichen Gegner anzugreifen, zu Diffamieren, ihn möglichst in einem schlechten Licht darzustellen, denn, man war ja selber der Gute. Man verfiel dem Fanatismus. Beide. Die einen nannten die anderen „Extremisten“, die anderen antworteten mit „Ihr Rechte!“. Eigentlich passten die Begriffe überhaupt nicht, aber sie waren für die jeweilige Seite das maximale an Verachtung das sie vergeben konnten. Die Muster waren auf beiden Seiten die gleichen. Keiner kann den anderen mehr vorwerfen, denn die Moral, die Empathie galt nicht mehr für den Gegner, alles war erlaubt, alles wurde tatsächlich benutzt. Ja, auch ich war ein Teil davon. Doch ich wurde bald von Resignation gebremst. Die ganze Situation erschien wie die Grabenkriege aus vergangenen Zeiten. Sie waren nicht zu gewinnen, auf beiden Seiten gab es Verluste, man trat aus, aus Schutz. Viele waren eigentlich nur Mitläufer, denn man hatte Position zu beziehen. Bist du nicht mit uns, bist du gegen uns!

Bei alle dem vergisst man die dritte Gruppe. Piraten die keine Stimme nach außen brachten, nicht weil sie dazu gebracht wurden, sondern weil sie als unser Rückrat die Partei am Leben hielten, als Verwaltung, IT-Techniker etc. Sie haben ihre Aufgaben trotz der Schlacht die um sie tobte weiterhin erfüllt. Doch auch sie sind Piraten, auch sie wollen unsere Themen voranbringen, in dem sie uns lauten den Rücken freihalten. Das war der Deal. Sie halten den Rücken frei, wir bringen die Themen an die Bürger. Wir haben versagt. Durch die Schlacht haben wir den Deal gebrochen. Doch wie hätten sie es uns sagen sollen? Die Schlacht war so laut, das sie kein Gehör fanden. Wir hatten uns so selbstverständlich an sie gewöhnt, das wir arrogant es als gegeben annahmen, das alles läuft. Doch jedes Partei Tool funktioniert nur deswegen, weil Menschen sie am laufen halten. #Orgastreik oder mit anderen Worten: Die einzige, wenn auch sehr umstrittene Methode sich Gehör zu verschaffen. Und sie wurden gehört, mit Paukenschlag. Man hielt kurz inne, begriff, da ist noch eine Ebene in der Partei, die man nicht beachtet hatte. Vernünftige Menschen hätten spätestens jetzt gespürt, das alles außer Kontrolle geraten ist. Die Basis, die heillos sich in Wagenburgen verschanzte, ein BuVo, der in sich uneins war und keine gemeinsame Stimme fand. Wir hatten einen kompletten GAU.

Unsere Strukturen, unser nicht vorhandenes Krisenmanagement, unsere Vorstände konnten die Situation nicht auffangen. Man war verunsichert. Aber auch da wurde nach kurzer Zeit alles instrumentalisiert. Jede Seite versuchte die Situation für seine Zwecke auszunutzen. Die einen riefen „Kein Handschlag!“ oder „#reclaimyournetzpartei“, die anderen „Machtmissbrauch!“ „Die Partei wurde als Geisel genommen, Vertrauensverlust!“. Immerhin hatte man eine gemeinsame Forderung: Jeden und alles zu PAVen, damit die eigenen Ziele nicht gestört werden könnten.

Viele Piraten waren sprachlos bei dem was sich abspielte. Es war genaugenommen Grotesk. Mehr Piraten traten aus. Aktive. Wir bluteten aus, es nahm uns die Kraft, aber nur der Kraft, die unsere Themen nach außen bringen sollte, nicht jene Kräfte, die destruktiv weiter an der Partei sich abarbeiteten. Bis hierhin würden man eigentlich sagen, was für ein schlechter Film. Aber dieser Film war real und wir alle spielten brav unsere Rollen, blind, ohne Drehbuch. Aber wir hatten uns ja schnell in unsere Rollen eingefügt. Soweit so traurig. Bis hierhin waren schon viele Gefühle und Seelen verletzt. Man kann davon halten was man will, aber für viele ist die Partei so etwas wie eine Familie, ein Lebensmittelpunkt. Die Partei ist ihr Leben. Durch die internen Schlachten sahen sie ihre Heimat, ihr Zuhause kaputt gehen. Auf beiden Seiten. Was würdet ihr machen, wenn euch jemand Familie und Heim wegnehmen wollten? Es mit Händen, Füßen und alles was man in die Hand bekommt verteidigen. Man fing an, die Gräben die bis dahin gezogen wurden noch mit Wasser zu füllen, es war zwar Wasser, stellte aber Zement dar. Es sollte zementiert werden: Ihr seid die bösen, ihr macht unsere Partei kaputt. Ja, da stand man nun wieder vor dem Spiegel, man sah das Desaster, aber immer nur von der eigenen Perspektive. Hätten man zusammen von oben geschaut, würde man sehen das eigentlich auf beiden Seiten der gleiche Schaden angerichtet wurde. Das wollte man nicht.

Der #Buvo. Für die eine Seite der Garant eine schützende Hand über sein tun zu haben, für die anderen der reinste Verrat, denn der Buvo sollte alle vertreten und nicht parteiisch sein. Selbst intern war das misstrauen so tief, das der Buvo sich selbst zerlegte und auch hier gab es die gleichen Muster wie vorher im Verhältnis Basis zum Buvo: Die eine Seite fühlte sich verraten, als Sündenbock der Basis zum Fraß vorgeworfen, die andere Seite dachte sie könnte mit ihrer Handlung eines Rücktritts wieder ein Gleichgewicht in das Machtgefüge einbringen. Es ist grandios gescheitert. Alle Dämme waren gebrochen. 

Ja, ich verstehe den progressiven Teil des Buvos warum sie so weitermachten. Sie wollten ihr Gesicht wahren, nicht als die gelten, die die Partei im Stich ließen. Denn genau das wurde dem sozial-liberalen Teil vorgeworfen. In sich, aus der ureigensten Perspektive der Buvo „Gruppen“ haben beide das richtige getan. Es bedeutet aber auch nicht, das es tatsächlich richtig war. Denn ein Buvo Vertritt die Partei, dies ist größer als das eigene Unvermögen auch mit Kollegen zu arbeiten, mit denen man privat nichts zu tun haben will. Da aber auch der Buvo unter Einfluss und Druck stand, waren wir es, die letztendlich daran schuld waren. Sie waren alle so in die Enge getrieben worden, das sie nicht mehr frei entscheiden konnten, sie mussten jeweils die Teile der Basis unterstützen, die sie in den Buvo brachten. Somit unterstütze man letztendlich auch den Flächenbrand und war unfähig einzugreifen.

Das bringt mich zum #aBPT. Endschlacht. Gewinn oder Niederlage. Einfluss oder Machtverlust. Also die schlechtesten Grundvoraussetzungen um die Partei wieder zu versöhnen. Daran war weiterhin bis auf die leisen Piraten keiner interessiert und wenn, dann nur als Lippenbekenntnisse. Im Hintergrund brachte man sich in Position, mit allem, was man aufwenden konnte. Auch dies gilt immer für beide Seiten! Die Härte die dabei eingesetzt wurde, erinnert mich an den Film 300. Beide Gruppen sahen sich als die Spartaner. Diese Schlacht sollte viele Ebenen haben. Minutiös geplant. Es gab die Abteilung Bashing: Sie war damit beschäftigt die vermeintlichen Meinungsführer mürbe zu machen. Die Abteilung Kompromat tat genau dies, alles zu durchforsten und verwertbare Dinge gegen die jeweils anderen Kandidaten zu finden. Mehr oder weniger erfolgreich. Es gab die Uboote, die auf beiden Seiten Anerkennung genossen und genau dies auch ausnutzten, umso bekannter, umso erfolgreicher. Subtile Einfluss bleibt genau dies: Einfluss nehmen. Beide Seiten schickten jeweils ihre Drohnen aus, um die Hoheit über Twitter oder Mumble zu bekommen, im Wissen, das dies mächtige Tools sind um Menschen zu beeinflussen. Das war aber auch eine Schwachstelle für beide. Denn genau da geschahen die meisten Fehler. Auf beiden Seiten wurden immer wieder Grenzen überschritten, die sehr persönlich wurden, unmenschlich und offen lesbar für alle. Man verrannte sich, gefangen im Bashing, für einige sogar so etwas wie eine Passion, die anscheinend ihnen eine perverse Befriedigung gab, Menschen zu zerstören.

Menschlich gesehen waren wir alle schuldig. Wir wussten ganz genau was wir alle taten. Wir wussten das wir unsere Moral, Ethik und Grenzen der Menschlichkeit hinter uns ließen, nur mit einem Ziel: Koste es was es wolle, aber der Buvo, gar die ganze Partei, gehören unserer Seite. Wir haben nicht nur uns verraten, wir haben unsere Wähler im Stich gelassen. Wir haben Menschen, die an uns glaubten, die Hoffnung hatten das gerade wir anders sind als die Etablierten, vor den Kopf gestoßen. Wir haben ihnen gezeigt, das wir selber, gefangen in einer Gewaltspirale gar nicht mehr an unsere wahren Ziele mehr dachten. Wir wurden zu dem, was wir hassten. Zu dem Zeitpunkt hatten wir eigentlich verloren. Uns. Das Vertrauen. Die Hoffnung in uns und daraus resultieren der eigen Glaube an diese Partei.

Ich könnte bis hierhin schon Weinen, weil wir es hätten verhindern können, wenn wir uns nur vertraut hätten, haben wir aber nicht. Versagt.

Der #aBPT liegt nun hinter uns. Was wurde gewonnen und vor allem um welchen Preis? Die einen verfallen in Freudentaumel, weil sie Denken sie haben gewonnen, die anderen sehen ihren Platz, ihre Heimat, ihre Themen verloren. 

Der Spiegel hat sich gedreht. Aber es ist nichts gelöst. Natürlich sind die progressiven plötzlich in der Situation, in der sich die sozial-liberalen davor fühlten, mit dem alten Buvo. Faktisch und emotional fühlen sich die progressiven nun als Verlierer und ausgeschlossen. Es ist ganz natürlich, das sie in einer Partei, in der sie im Moment für sich kein Platz sehen, einen Schutzraum schaffen wollen. Die Erde in der Partei ist für beide verbrannt. Auch wenn wir einen neuen BuVo haben, sind diese Fragen nicht gelöst. Wir brauchen Zeit, wir müssen runterkommen, das hier und jetzt verdauen und akzeptieren. Ich kann verstehen das jetzt im Moment Gesten wie #1000Haende teilweise ausgeschlagen werden. Die progressiven brauchen erst mal Zeit für sich, für sie stellt sich etwas in Frage, was es bei den sozial-liberalen auch schon gab: Ist diese Partei noch eine Heimat? Werden unsere Themen nun komplett von den vermeintlichen Siegern an die Wand gedrängt? Wir man noch auf uns hören, denn auch sie waren ein Teil dessen, was uns zerstörte. Ich kann für mich nur um eins Bitten: Gebt ihnen Zeit, bedrängt sie nicht, zeigt, das wir zum Wohle der Partei auf beiden Seiten vergeben müssen. Niemand darf bei diesen Prozess rausgehen, mit dem Gefühl, ihn träfe die alleinige Schuld. Vertrauen bekommt man nicht geschenkt, wir müssen alle dabei helfen, Vertrauen wieder zu finden.

Ich für mich will meinen Frieden mit denen schließen, die ich als Gegner sah und sie auch mich als Gegner behandelten. Ich will verzeihen und auch um selbiges bitten. Ich möchte Frieden schließen, abschließen, neu anfangen.

Hier stehe ich nun, strecke meine Hand aus, in der Hoffnung sie wird ergriffen. So unterschiedlich wir auch sind, so unterschiedlich wir unsere politischen Prioritäten setzen, diese Partei hat Platz für uns alle. Wenn wir es schaffen uns als gleichwertig zu respektieren, uns Zeit geben die Verletzungen heilen zu lassen, sich zu entschuldigen und die eigenen Fehler zu reflektieren, können wir gemeinsam den anderen Parteien das fürchten lehren.

Kommt ihr mit in diese Zukunft? Sie klingt verlockend, meint ihr nicht?